Schreiben: Diversität - somewhere over the rainbow


Ich plädiere ja immer für mehr Diversität in Büchern. Dies schließt für mich auf jeden Fall auch die Darstellung von sexueller Vielfalt in Büchern mit ein. Nun, es gibt mittlerweile ein eigenes Genre, nämlich Gay Romance, in welchem in den schönes Regenbogenfarben geliebt und gelitten wird. Das blöde ist, dieses Genre bildet nur einen kleinen Teil ab und erreicht bei weitem nicht so viele LeserInnen wie andere Genres. In den anderen Genres gibt es kaum sexuelle Vielfalt. In diesem Beitrag geht es also um Gay und ihre Darstellung in Büchern.

Ich habe neulich ein Buch gelesen - ok, Kurzgeschichte - die mich total erschreckt hat. Es ging um einen Maler, der sich alles nimmt was er kriegen kann, ohne dabei einen Unterschied zwischen den Geschlechtern zu machen. Ist ja erstmal nicht weiter schlimm. Was mich extrem gestört hat, war die Darstellung des jungen männlichen Liebhabers des Künstlers. Dieser wurde so klischeehaft dargestellt, dass ich das Verlangen hatte, das Buch zu verbrennen. Ständig starrte der Liebhaber dem Künstler auf den Hintern, sabberte ihm hinterher und versuchte ihn andauernd davon zu überzeugen, dass es wahre Liebe nur unter Männer gebe. Das ist natürlich genau das, was alle Gays machen: sie sind dauergeil und machen andere Männer/Frauen gay, die gar nicht gay sind.

Das hat mich so verstört, dass ich mir mal angeschaut habe, wie es in anderen Büchern mit den Klischees ausschaut. Ich lese Gay Romance ja eigentlich nicht, habe mich aber der Neugierde wegen einmal herangewagt. Dabei war doch ganz schön enttäuscht. Die Gay Romance stellt sich für mich im Prinzip als äquivalent zur Liebesschnulze dar. Es wird dermaßen mit Klischees um sich geworfen, dass kaum noch Platz für Individualität bleibt. Das hat man bei Groschenromanen oder bei den erotischen Romance-Geschichten ja auch. Wird dann so nicht am Ziel vorbeigeschossen?

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass man Gay-Romane eben für Leute schreibt, die gay sind. Das ist aber so nicht richtig. Diese Schnulzen haben ihre eigene Zielgruppe, so auch die Gay Romance. Aber wer ist diese Zielgruppe? Jedenfalls nicht Gays. Wenn ich böse wäre, würde ich glatt behaupten, die Gay Romance stellt sich als Äquivalent zum Lesben/Schwulen-Porno dar. Diese werden auch eben für heterosexuelle Männer/Frauen gemacht, nicht für die Regenbogenfraktion. Das finde ich extrem traurig, kann ich aber durchaus nachvollziehen. Ich bin hetero und lese ja auch keine Romance, nur weil da ein Hetenpärchen drin vorkommt.

Think positiv

Deshalb finde ich es wichtig, die sexuelle Vielfalt mehr in anderen Genres zu etablieren. Dabei stelle ich aber immer wieder fest, dass dieses Thema ständig mit Problemen in Berührung gebracht wird: Das Opfer ist gay und wurde deshalb umgebracht. Der Täter ist gay und hat deshalb getötet. Die Insassen im Gefängnis sind gay. Die GegenspielerIn ist gay. Der Kommissar/Soldat ist gay, darf es aber nicht zeigen, weil er sonst ausgelacht wird. In der Fantasy stirbt der schwule Charakter zuerst. Trans-Menschen sind grundsätzlich verzweifelt, manche bringen sich sogar um. Total Gruselig. Tut das wirklich Not? All diese Sachen vermitteln den LeserInnen, dass Homosexualität irgendwie doof ist oder gefährlich oder eben schlecht, dass man das nicht sein sollte oder sein darf. 

Ich kenne eigentlich keine gute Geschichte, in der es schlichtweg als gegeben hingenommen wird, dass ein Charakter eben auf das gleiche Geschlecht steht und es keine Probleme damit gibt. Menschen mit verschiedenen sexuellen Interessen sind ja weder mit Klischees über einen Kamm zu scheren, noch permanent negativ belastet (gilt übrigens auch für Heteros). Stellt euch einfach mal vor, es wäre umgekehrt. Der einzige heterosexuelle Charakter in einer super tollen Fantasy-Geschichte stirbt zu erst. Die Hete ist immer die Böse oder irgendwie doof. Fänd ich persönlich auch nicht so dolle. Ihr etwa? Ich würde mir ja vorkommen, als würde irgendwas mit mir nicht stimmen und mich dafür schämen, dass ich so bin wie ich bin. Schließlich sind alle Charaktere, mit denen ich mich halbwegs identifizieren kann, irgendwie scheiße oder tot. 

Ich sag ja immer gern, dass AutorInnen eine Verantwortung gegenüber den LeserInnen haben. In diesem Fall ist es eine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich Gays nicht permanent scheiße fühlen, wenn sie eure Geschichte lesen. So schwer ist das nun auch wieder nicht.

Kommentare

  1. Dazu möchte ich gern folgendes anmerken: Gay Romance ist ein eigenes Genre. Und es stimmt, dass Gay Romance hauptsächlich von Frauen gelesen wird (es gibt Umfragen darüber) und sogar größtenteils von diesen geschrieben wird. Ich schreibe selbst ebenfalls unter anderem Gay Romance. Es gibt aber auch schwule Autoren, die Gay Romance oder einfach Gay Bücher schreiben, die nicht immer romantisch oder "schnulzig" sind. Genau wie in anderen Genres, gibt es in diesem Bereich sehr gute Bücher, die nicht einfach Liebesschnulzen sind. Und die sind nicht nur von schwulen Autoren. Und es gibt - wie auch in anderen Genres - schlechte Bücher. Ich finde es schade, wenn du von einem schlechten Beispiel, das du gelesen hast, gleich auf das ganze Genre schließt.

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  2. Hmm ... vielleicht liegt das auch daran, dass in Nicht-Romance-Geschichten Sexualität weniger thematisiert wird? Also, bei ganz vielen Charakteren wird einfach nicht gesagt, welche Orientierung und/oder Vorlieben sie haben?

    Wobei ich mir mal eben ganz stolz in die Kniekehle pusten kann ... ich habe wenigstens eine Nebendarstellerin, die bekennend lesbisch und ansonsten erst einmal einfach nur da ist, ohne Drama (außer vielleicht ein wenig Liebeskummer), und deren größte Errungenschaft tatsächlich politischer Terrorismus ist. ^^

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  3. Das ist auch mein Anliegen, das ich in meinen Romanen (kein Fantasy, kein Krimi, keine Romance jedeweder Art) versuche umzusetzen. LSBT*I*-Personen müssen genauso "normale" Protagonist*innen in Büchern sein, wie Heterosexuelle. Und das eben nicht nur als eigenes Thema und nicht nur in Liebesromanen. www.maria-braig.de

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