Enthüllungsakte: Kleinverlage versuchen die Buchweltherrschaft an sich zu reißen

Sie agieren meist im Hintergrund, belächelt von Großverlagen und dem Mainstream, Bestseller- und Debütautoren. Doch sie operieren von geheimen Schlupfwinkeln aus, in unscheinbaren Gebäuden fern ab der schönen Glitzerwelt der Großunternehmen und Konzerne, und arbeiten daran, die (Buch)Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Rede ist von Kleinverlagen. In dieser Enthüllungsakte schreibe ich über meine unvorstellbaren Entdeckungen.


Der Pinky, der Pinky und der Brain Brain Brain Brain...

Auf den bekanntesten Buchmessen in Leipzig und Frankfurt feiern sich die großen Verlage selbst. Die präsentieren sich, stellen sich zur Schau. Für ein kleines Vermögen haben sie sich die großen Flächen gebucht, über den Messeständen prangen schillernd und glitzernd beleuchtete Logos. Gecastete Hostessen wurden vorher extra einer Schulung unterzogen, damit sie den Besuchern das Verlagsprogramm erklären können. Angestellte StudentInnen laufen mit Verlags-T-Shirt durch die Gegend, verteilen Flyer und Traubenzuckerbonbons und Kugelschreiber mit Verlagslogo. Von dieser Show werden tausende von MessebesucherInnen angelockt. 

Doch fernab des Spektakels, am Rand des Geschehens, sitzen sie und beobachten das Glitzer-Theater der Großverlage. Darüber können sie nur müde lächeln. Denn hinter den Kulissen läuft schon die Planung zur Erreichung der Buch-Weltherrschaft. Die Kleinverlage werden von den Veranstaltern der Messe meist in den Hintergrund geschoben, machen sie doch einen so unscheinbaren und harmlosen Eindruck, dass man damit das Image der Großverlage nicht schädigen möchte. 

Doch der Schein trügt. Die BesucherInnen der Messe kommen auf der Suche nach der Toilette oder der Catering-Area schon beinahe zwangsläufig an den unscheinbaren Ständen der Kleinverlage vorbei und damit direkt in Berührung mit den ChefInnen und direkten Angestellten der Unternehmen. Anstatt von einer schicken Hostess mit Halstuch in Verlagsfarben, werden sie von Frauen in Pikachu-Jacken und Männern im Sonntagsstaat begrüßt und über das Programm aufgeklärt. Das persönliche Gespräch lässt die BesucherInnen häufig den Flyer der Großverlage in die Tasche stecken, um sich dann mit den neuesten Veröffentlichungen der kleinen Verlage einzudecken.


Brain Brain Brain Brain Brain....

Unbemerkt der großen Elefanten haben sich die Mäuse professionalisiert. Leise und heimlich produzieren sie Literatur, die sie unter sich als "geilen Scheiß" bezeichnen. Die Geschichten, weg vom Mainstream, handeln von Themen, die Großverlage nicht annähernd ins Auge fassen. Und genau dies ist der Plan der Kleinverlage. Die Strategie beinhaltet nicht nur, andere Bücher zu produzieren, sondern auch die Events zu besuchen, von denen Großverlage nicht einmal etwas wissen. "Der persönliche Kontakt zu unseren LeserInnen liegt uns besonders am Herzen", erfahre ich im Gespräch, als ich mich für eine Bloggerin ausgebe.

So findet sich die überschaubare Community der Kleinverlage fast gesammelt zu kleineren Buchmessen und Conventions zusammen. Diese Events sehen zwar für Außenstehende recht mickrig aus, bei einem genaueren Blick stellt man jedoch fest, dass es sich hierbei um Großveranstaltungen handelt. Sie finden in Schulen, in Stadthallen oder gar auf privatem Gelände statt. Den BesucherInnen wird dort günstige Verköstigung in Form von Bratwurst und Kartoffelsalat geboten, sie dürfen sogar zu einem reduzierten Preis das Event besuchen, sofern sie in Gewandung auftreten. So werden sie angelockt und finden in die Dunstkreise der Kleinverlage.

Dies ist der geheime Plan der Kleinverlage, die Buch-Weltherrschaft an sich zu reißen. Nicht nur der persönliche Kontakt zu den KundInnen, sondern auch die Qualität der Bücher. In geheimen Geschäftsräumen, die nicht im Branchenbuch verzeichnet sind, hecken sie die neuen Pläne und Strategien aus, wie sie den großen Glitzerverlagen die besten AutorInnen abnehmen, die besten CoverdesignerInnen und LektorInnen für sich gewinnen können. Sie produzieren und agieren unter den Augen der Großen, ohne, dass man sie ernst nimmt. Doch es lauert die Gefahr, dass sie mit ihrem "geilen Scheiß" den Buchmarkt nach und nach einnehmen. Die Großen werden dies erst merken, wenn es zu spät ist.

Sie versuchen die Buch-Weltherrschaft an sich zu reißen. Am Rande des Geschehens ist es passiert. Sie sind brillant und manchmal geisteskrank. An jedem neuen Morgen entwickeln sie ihren Plan und ergreifen damit die Macht auf dem Buchmarkt. Jeder kann es sehen, doch keiner will es verstehen. Sie wollen die ganze Welt, weil es ihnen gefällt. Da bleibt nur eins zu sagen:

NARF!

Kommentare

  1. Jau, und Osnabrück macht im Januar ganz vorne mit bei der feindlichen Übernahme (Osnabrücker Buchmesse am 26.01.2019). Hurrah! Jede Menge Kleinstverlage und Selfpublisher und ein Knaller-Programm (hoffe ich doch schon mal - wir arbeiten schließlich alle mit voller ehrenamtlicher Kraft daran!).

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  2. Kommt auf die persönlichen Erfahrungen an. Zwei Kleinverlage schulden mir einen vierstelligen Betrag, den ich wohl niemals sehen werde. Von einem Großverlag bin ich hingegen seit zwanzig Jahren stets korrekt bezahlt worden. Man kann natürlich nicht verallgemeinern. Aber ist ist stets hilfreich, Autorenkollegen nach ihren Erfahrungen zu fragen. Das gilt unabhängig von der Größe des Verlages.

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