Frauen in der Fantasy 4: Ich hab nichts anzuziehen!

Auf der Suche nach ordentlicher Fantasy lese ich mir sehr viele Leseproben durch und entscheide dann, ob die Story Wert ist, gelesen zu werden - oder eben nicht. Ich stoße dabei immer häufiger auf Geschichten, in  den die AutorIn offenbar sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild der weiblichen Charaktere legen. Da werden die Vampirjägerinnen in enge Lackhosen gezwängt und die Anführerin der Dämonenliga hat natürlich kaum was an, außer eine Art BH mit Stacheln (oder so). Da mag man sich gar nicht vorstellen, wie die Alltagskleidung der Frauschaften so ausschaut, wenn sie schon bauchfrei und auf Highheels auf das Schlachtfeld trippeln.


Frauen auf dem Schlachtfeld haben offenbar nur die eine Funktion: sie sehen hübsch aus, sexy, bieten was fürs Auge. Sie werden nicht durch ihre Taten und den Charakter definiert, sondern durch den Blick von außen. Den Anblick, den ein Kerl am Rande des Schlachtfelds gerne sehen würde: eine halbnackte, gut frisierte Frau steht herum und lässt sich anstarren.

Ich hab nichts anzuziehen

Das mag man bei vielen Protagonistinnen wirklich glauben. Gerade in Filmen und Serien laufen viele in engen Lacklederhosen mit einer Art Oberteil herum, das lediglich die wichtigsten Körperstellen versteckt. In Büchern sieht es oftmals nicht viel besser aus. Die Protagonistin läuft in den engsten Klamotten, in den kürzesten Hosen, den unpraktischsten Schuhen herum - Hauptsache sie sieht super aus, wenn sie einem Dämon den Kopf abschlägt. Ist den AutorInnen eigentlich klar, dass eine Lacklederhose unpraktischer zum Kämpfen ist als Jeans und T-Shirt?  Gerade in der Fantasy ist es weit verbreitet, die Kerle bis an die Zähne zu bewaffnen, ihnen eine schier unzerstörbare Rüstung anzulegen, während Frauen in einer Rüstung herumlaufen, die den Namen nicht verdient. Einen Mann lässt man doch auch nicht halb nackt aufs Schlachtfeld ziehen! Aber eine Frau soll bauchfrei gegen Dämonen kämpfen? Warum müssen Frauen besonders sexy sein, wenn sie sich auf dem Schlachtfeld prügeln? Männer sind das doch auch nicht! Männer sind dreckig, blutverschmiert und adrenalingeladen. Frauen sehen super aus. Das ist im Kampf besonders wichtig, hübsch sein: drei Dämonen vor dem Frühstück geköpft - die Frisur sitzt.

Vor allen Dingen kann das kaum logisch erklärt werden. Man stelle sich ein Volk in einem Krieg vor. Kurz vor der Schlacht bewaffnen sich die Kerle mit allem, was die Waffenkammer zu bieten hat, während die Frau eine Axt in ihre Hand mit den frisch lackierten Fingernägeln nimmt, sie zieht sich ihren BH zurecht und föhnt ihre Haare. Ich habe kürzlich in einem Roman gelesen, dass ich die Protagonistin permanent die Haare flechtet, damit sie schön aussehen. Sie hat offenbar nichts besseren zu tun, bevor es los geht. Kann mir bitte eine AutorIn, die solche Handlungen aufschreibt, die Logik dahinter erklären? Welcher Herrscher lässt die Hälfte seiner Armee halb nackt in den Krieg ziehen? Das entbehrt doch sämtlicher Logik. Es ist natürlich so, dass Frauen grundsätzlich schöner sind als Männer :), und deshalb sehen sie auch in einer ordentlichen Kampfausrüstung toll aus und müssen nicht halbnackt herumrennen. Auch in der Fantasy können Frauen realistisch gekleidet sein. Es kann ja nicht sein, dass ein Volk, eine Armee aufstellt und die Hälfte der Besetzung nicht ausstattet. Welches Volk ist denn bitte so blöde und schickt seine KriegerInnen in Seidentüchern und Stachel-BH los? Das macht doch keiner!

Ein Bild von einer Frau

Ich kenne einige Romane, in denen diese Fehler nicht gemacht werden. Die Frauen haben ordentlich was an und die Kriegerinnen tragen im Prinzip das gleiche wie Männer - eine stattliche Rüstung. Wenn ich mir dann allerdings das Cover dazu anschaue, dreht sich mir häufig der Magen um. Auf dem Bild prangt wieder eine Frau, die nichts anzuziehen hat. Das findet sich tatsächlich relativ selten bei Selfpublishern, dagegen aber sehr häufig bei Verlags-Fantasy, insbesondere bei Serien zu Computerspielen. Das versaut mir als Leser direkt das Bild von der Frau um die es dort geht. Ich stelle mir die Kriegerin sofort in derartigem Outfit vor und mir fällt es verdammt schwer von diesem Bild wegzukommen - selbst dann, wenn die AutorIn explizit eine völlig andere Ausstattung beschreibt als auf dem Cover vorgegeben ist.

Ich freue mich daher fast über den Trend, von Gesichtern und Personen auf Covern abzusehen. Zumindest in der Fantasy sehe ich hauptsächlich Bilder mit Gegenständen, Schnörkeln und Landschaften. Doch selbst wenn auf dem Cover lediglich Silhouetten zu sehen sind, wird deutlich, wer hier die Hosen an hat und wer in einem Kleidchen herumläuft. Wenn es denn zur Story passen würde, wäre das gar kein Problem. Ist aber häufig nicht so.



Fazit
Ich finde schon, dass man als AutorIn versuchen kann, der Protagonistin eine vernünftige und sinnbringende Kleidung zu verpassen. Vor allen Dingen dann, wenn es wirklich starke Frauen sein sollen. Keine starke Frau zieht sich so für den Kampf an. Eine starke Frau weiß, dass sie einen Ghul oder Dämon nicht mit einem tiefen Ausschnitt und möglichst viel Bein verjagen und töten kann. In der realen Armee laufen Soldatinnen auch nicht in Miniröckchen über das Minenfeld.


Kommentare

  1. Kann dir mal wieder nur zustimmen! Wieso sollten wir auch schusssichere Westen tragen oder einen Pferdeschwanz? Dann wehen die Haare ja nicht mehr dekorativ im Wind und überhaupt...

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