Selfpublishing: Die Sache mit dem Lektorat

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Das Lektorat ist ein Thema bei dem sich die Geister scheiden. Die einen sagen, das Lektorat wäre unverzichtbar, die anderen, das könne man sich sparen. Gerade wenn man als AutorIn frisch auf dem Parkett tanzt, ist man sich unsicher, hat wenig finanziellen Spielraum und noch keinerlei Erfahrungen bezüglich der Verkaufszahlen. Deshalb verzichten viele AutorInnen beim ersten Buch auf das Lektorat. In meinem heutigen Post beleuchte ich das Thema näher und gebe Ratschläge für Lektorate und "Ersatz".



Man stellt sich ja immer vor, dass eine AutorIn einen Text runterschreibt und dann ist das Buch fertig. Ich kenne keine AutorIn, die das je so gemacht hat. Schreiben besteht hauptsächlich aus Überarbeiten. Es gibt Texte, die viel Bearbeitung brauchen, andere wiederum wenig. Es ist jedoch so, dass kaum ein Text völlig unbearbeitet an die Öffentlichkeit gerät - auch, wenn das Selfpublishern gern unterstellt wird.

Laut dem Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) bedeutet ein Lektorat, das die Texte sorgfältig geprüft werden:
Stimmen Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung? Sind sämtliche Schreibweisen einheitlich und alle Eigennamen korrekt? Überzeugt die Gliederung? Hält der Text, was er in der Einleitung verspricht? Stimmt die Länge? Passt der Stil zur Zielgruppe? Überstehen die Inhalte einen Faktencheck? Wenn all diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, handelt es sich um das achte Weltwunder: den perfekten Text. Wenn nicht, dann war es die richtige Entscheidung, eine Lektorin zu engagieren, die die Dinge in Ordnung bringt. (Quelle: VFLL)


I don´t want the fame, just give me the money

LektorInnen sind also dafür da, die Texte der AutorInnen zu kontrollieren und auf Herz und Nieren zu prüfen.  Das ist viel Arbeit und möchte dementsprechend bezahlt werden - auch LektorInnen müssen ab und an etwas Nahrung zu sich nehmen. Die Kosten variieren stark und sind von LektorIn zu LektorIn unterschiedlich, von 1,00 Euro bis 10,00 Euro pro Normseite ist alles dabei. Da kann ein Buch von ca. 200 Normseiten natürlich sehr teuer werden und dies stellt gerade für frisch gebackene AutorInnen ein Problem dar. Wer nicht für die Veröffentlichung gespart hat oder anderweitig Rücklagen zur Verfügung hat, will an diesem Punkt sofort aussteigen. Denn gerade als DebütautorIn kann man auf keine Erfahrungen bezüglich der Verkaufserlöse zurückgreifen und weiß daher auch nicht, ob das Buch diese Investition wieder einspielen wird. Man weiß meist auch noch nichts von Zielgruppe und Marketing, weshalb die Verkaufserlöse vermutlich im niedrigen Bereich bleiben werden. Wenn man das Geld also nicht "übrig" hat, stellt das Lektorat neben dem Coverdesign die höchste Investition und finanzielle Belastung dar.

Dabei ist es auch recht schwierig, eine passende LektorIn zu finden, denn sie muss ja nicht nur gut sein, sondern auch zum Genre passen. Es heißt ja immer, ein Lektorat für 1,00 Euro pro Normseite taugt nichts, aber es ist auch nicht gesagt, dass ein Lektorat für 10,00 Euro pro Normseite das beste ist. Deshalb sollte man sich zum einen die LektorIn nach dem Genre aussuchen und dann auch noch nach einem Probelektorat fragen. Dabei sendet man der LektorIn ca. 5 Seiten, um zu sehen, wie sie arbeitet und ob man mit der Arbeitsweise zurechtkommt. Viele LektorInnen bieten das Probelektorat kostenlos an, das ist aber nicht selbstverständlich. Daher sollte auch damit gerechnet werden, dass man eben die 5 Seiten bezahlt. Ich lese häufig, dass sich LektorInnen über unfreundliche AutorInnen beschweren, die beleidigend werden, wenn sie eine Rechnung über 5 Seiten Lektorat bekommen. Das geht natürlich gar nicht. Die Berechnung der Probeseiten ist nicht nur dafür da, der LektorIn Geld einzubringen, sondern auch zum Schutz. Die LektorIn hat auch mit wenig Seiten Arbeit und wenn sich der Kunde danach nie wieder meldet, dann hat sie damit Zeit- und Geldverlust gemacht. Auch gehen immer wieder Geschichten um, dass sich unehrliche AutorInnen mit Probelektorate kostenlos ein ganzes Buch lektorieren lassen. Sie schicken einfach jedem Lektoratsbüro die nächsten 5 bis 10 Seiten ihres Manuskripts und bekommen so eine kostenlose Dienstleistung. Das ist Betrug und der Betrag für ein Probelektorat kann LektorInnen davor schützen.




Dieses Buch, dieses Buch ist kein Hit. Der Text ist voll bescheuert und die Syntax ist shit ... 

Wer kein Geld hat für ein professionelles Lektorat muss nicht zu unmoralischen und betrügerischen Mitteln greifen, sondern kann sich anders helfen. Dann ist es eben nur nicht professionell. Da gibt es zum Beispiel die Beta-LeserInnen, die das Manuskript durcharbeiten. Die findet man häufig in den Sozialen Medien- in Facebook gibt es dafür Gruppen. Man sollte sich dabei ein bis zwei Menschen suchen, die sich mit dem Genre auskennen und die ein bisschen was vom Lektorat verstehen. Einige meiner befreundeten AutorInnen greifen auch auf Germanistik- oder LiteraturstudentInnen zurück oder auf Freunde und Familie. Es geht beim Beta-Lesen nicht darum, das Buch "schön" zu finden, sondern wirklich darum, einen neutralen Blick auf den Text und eine möglichst umfangreiche Prüfung zu erhalten - auch auf Rechtschreibung und Grammatik. Die Beta-LeserInnen können auf jeden Fall einen Überblick über Plot-Holes, Charakterdesign, Sinnhaftigkeit, fehlende Informationen und Sprache geben. Häufig fallen ihnen Wiederholungen auf oder unschöne Ausdrucksweisen auf.

Darüber hinaus kann man nach der Überarbeitung noch TestleserInnen beauftragen. Diese sind eine zusätzliche Prüfung. Die Testleser kann man übrigens auch immer fragen, auch wenn man ein professionelles Lektorat beauftragt hat. LektorInnen bearbeiten das Manuskript ein mal, weitere Überprüfungen nach der Bearbeitung der AutorIn, werden wieder neu berechnet. Daher sind TestleserInnen eine gute Option, um noch einmal einen abschließenden Blick auf den Text werfen zu lassen.

Fazit

 Beim ersten Buch greifen die meisten auf eine Alternative zurück, jedoch professionalisieren sich viele AutorInnen nach und nach und arbeiten mit Lektoratbüros zusammen. Lasst den Text nicht ohne Überprüfung ziehen. Eine Überprüfung ist zwingend notwendig, entweder professionell oder eben nicht. Sucht nach Beta-LeserInnen. Häufig helfen auch schon 10 Seiten Probelektorat, um herauszufinden, an welchen Dingen es beim Text hapert. Außerdem bieten viele LektorInnen eine Ratenzahlung an. Das heißt, man sendet ihnen den Text nach und nach zu und bezahlt dann immer nur so viel, wie man Seiten eingereicht hat. So kann man die finanziellen Belastungen kontrollieren. Nachfragen kostet bei LektorInnen übrigens nichts - außer man ist unhöflich, das kostet den Ruf.

Kommentare

  1. Welche Unterschied gibt es zwischen Beta- und Testlesern?

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    1. Hallo Evy.
      Eine Beta-LeserIn liest dein Buch direkt nach dem Lektorat oder (falls das Lektorat wegfällt) ersetzt sie das Lektorat. Eine TestleserIn bekommt dein Buch, wenn es quasi fertig ist und nur noch (wenn überhaupt) Feinschliff bekommen soll, oder wenn du testen willst, wie die Geschichte bei den LeserInnen ankommt.
      lg, Anja

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