Frauen in der Fantasy 2: DER Held


Deine Story braucht einen Helden!
Also stelle ich mir Indiana Jones vor, einen intelligenten Kerl mit Peitsche, der verlorene Artefakte sucht und dabei Abenteuer erlebt. In sämtlichen Schreibratgebern, die ich regelmäßig konsumiere, ist die Rede von Männern, die Helden sind. Und das ist für mich ein Dilemma, denn ich will gar nicht über Kerle schreiben, die Helden sind, sondern über Frauen, die HeldINNEN sind. Doch die Sprache und die damit verbundene Assoziation lässt mich nicht an Wonder Woman denken, sondern an Indiana Jones.


Wir verknüpfen Bilder mit Worten. Hören wir "Held", denken wir zunächst an einen Mann, an Indiana Jones, an Conan der Barbar, an irgendeinen Superhelden oder sonst jemanden, aber nicht an eine Frau. Dieses so genannte generische Maskulinum wird automatisch mit einem Mann verknüpft. Dies gilt auch in anderen Bereichen unseres Lebens, so bei ÄrztInnen oder ErzieherInnen. Die männliche Form markiert damit Männer als Norm, Frauen dagegen als Abweichung (S. Günthner, im Interview im Spektrum, 2017). Wenn wir schon derart darauf geeicht sind, bei einem Arzt sofort an einen Kerl zu denken, ob wohl es mittlerweile genügend weibliche Ärzte gibt, dann ist es doch auch kein Wunder, warum wir immer als männliche Helden denken und diese auch in der Phantastik häufiger auftreten als Heldinnen - weil eine Heldin einfach eine merkwürdige Abweichung ist. Wer in der Sprache nicht vorkommt, der ist auch nicht im Bewusstsein.


Deine Story braucht eine Heldin!

Sicher gibt es mittlerweile viele weibliche Charaktere in der Phantastik, jedoch kaum eine davon kann wirklich zur Heldin werden. Während des Branchentreffens des Netzwerk für Phantastikautoren (PAN) 2018 kam die viel diskutierte Forderung, die Phantastik brauche mehr weibliche Charaktere. Ich stimme dem nur teilweise zu. Ja, die Phantastik braucht weibliche Charaktere, allerdings brauchen wir nicht noch mehr solche, die sich im Schatten des männlichen Helden aufhalten mit dem einzigen Ziel, dessen Herz zu erobern. Wir brauchen Frauen mit Charakter, mit Mut und einem (wirklichen) Ziel. Wir brauchen mehr Heldinnen. Richtige Heldinnen!

Ich kann nicht mehr zählen, in wie vielen Romanen eine junge Frau plötzlich mit einer übergroßen Aufgabe betraut wird und erst durch die Hilfe eines männlichen Protagonisten damit fertig wird. Natürlich haben wir dann zwar einen weiblichen Hauptcharakter, jedoch schafft es der Mann dennoch sie zu übertrumpfen und sich in den Vordergrund zu spielen. Meist gipfelt der Höhepunkt darin, dass sich die dumme Frau unwissend in Gefahr begibt und dann vom Kerl gerettet werden muss - hätte sie mal auf den Mann gehört. Im Endeffekt haben wir also wieder ein unmündiges Geschöpf, desses Weg von einem Mann vorgegeben werden muss. So sieht keine Heldin aus!


Was ist eine Heldin?

Ich schreibe viele wissenschaftliche Texte, wo ich bei der Recherche zu einem Thema grundsätzlich mit Definitionen beginne. Laut Duden (Stichwort: Held) ist ein Held (männlich) also
  1. (Mythologie) durch große und kühne Taten besonders in Kampf und Krieg sich auszeichnender Mann edler Abkunft (um den Mythen und Sagen entstanden sind)
  2. jemand, der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt
  3. jemand, der sich durch außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet und durch sein Verhalten zum Vorbild [gemacht] wird
Eine Heldin ist laut Duden allerdings etwas anderes (Stichwort: Heldin):

besonders tapfere, opfermütige Frau, die sich für andere einsetzt, eingesetzt hat

öhm... ja...  irgendwie habe ich mir das anders vorgestellt... 

Laut Duden ist eine Heldin also was anderes als ein Held, obwohl der Unterschied dazwischen lediglich in der Endung IN besteht. Sogar mein Sohn lernt schon in der Schule, dass es keine Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gibt, dass auch Mädchen gut Fußball spielen können und Jungs prima malen. Das scheint allerdings noch nicht im Hinterstübchen angekommen zu sein - jedenfalls nicht beim Duden. Ich möchte jetzt nicht auf klischeebehaftete Rollenbilder eingehen, ich denke, die kennen wir gut genug: Frauen lieben Fashion, Männer Autos, blablabla. Daraus resultiert: ein männlicher Held ist ein Mythos, eine weibliche Heldin ist eine Sozialarbeiterin. 

Fazit

Gerade als AutorInnen beschäftigen wir uns intensiv mit der Sprache. Warum fällt es dann doch so schwer über die Assoziation zum männlichen Helden hinwegzuhören und statt dessen eine Frau kühne Taten in Kampf und Krieg vollbringen zu lassen? Es ist so schwer, weil die Sprache, mit der wir uns täglich auseinandersetzen, diese Hürden vorgibt. Wir können diesen Hürden entkommen, indem wir uns die Assoziationen bewusst machen und dann auch bewusst gegensteuern.


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