Reisen mit Kindern: auf der Suche...


Wie jedes Jahr, beginne ich bereits Anfang des Jahres mit der Urlaubsplanung für den Sommer. Dieser Herausforderung muss sich so ziemlich jede Familie stellen. In meinem Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass ich alleinerziehend bin, mit zwei Kindern. Und außerdem muss ich aufgrund dieses Familienstatus auch noch meine begrenzten finanziellen Mittel berechnen. Man mag es kaum glauben, aber dies stellt tatsächlich ein schier unmögliches Problem für die Tourismusindustrie dar.


Beginnen wir also damit einmal die Pauschalreisen abzuklappern, denn diese sind ja so schön günstig und man kann richtige Schnäppchen abgreifen und da ich bekennende Schnäppchenjägerin bin, bin ich auch einer bequemen Pauschalreise nicht abgeneigt. Ich durchforste also alle möglichen Schnäppchen-Websites und finde vielversprechende Angebote: Ostsee, 3* Hotel, 5 Tage, 99Euro p.P., Kinder kostenlos. Yeah!, denke ich mir und schau mir die Rahmenbedingungen an: Kinder kostenlos bei 2 Vollzahlern, Einzelreisende mit 100% Aufschlag. Ach, wie nett! also, ich muss für mich demnach schon mal knapp 200Euro rechnen und dann auch noch für meine Kinder bezahlen - immerhin nur die Hälfte. Wären wir dann bei 300Euro, statt bei 99Euro. 

Ich suche also weiter, rufe verschiedene Hotels einfach direkt an und versuche zu verhandeln. Wenn ich, so denke ich mir aus, ein Doppelzimmer nehme, können doch die Kinder bei mir im Bett schlafen. Die sind ja schließlich noch nicht so alt, 7 und 5, und wir hätten genug Platz. Aber auch hier denke ich falsch. 
Es darf nur 1 Kind ins Doppelzimmer. 
Warum? 
Weil da ja zwei Erwachsene drin schlafen und da ist nicht genug Platz. 
Ich bin aber doch nur 1 Erwachsener und dann hab ich genug Platz. 
Nein! Das geht nicht. Versicherungstechnische Gründe. 
Achja? Was schlagen Sie mir denn stattdessen vor?
Ich könnte meine Kinder in ein Doppelzimmer stecken und ich selbst schlafe in einem Einzelzimmer? Entschuldigung? Ich soll meine Kinder in einem fremden Hotel, in einer fremden Umgebung, völlig allein in einem Zimmer schlafen lassen, während ich zwei Flure weiter beinahe unerreichbar für sie bin? Aber natürlich übernehme ich die volle Verantwortung, falls was schief geht. Zum Beispiel, wenn meine Kinder vor Angst das ganze Hotel zusammenbrüllen, oder verloren auf den Fluren umherwandern, mitten in der Nacht, weil sie mich nicht finden. Dann denke ich noch an all die Kinder, die jährlich spurlos aus Hotelzimmern verschwinden und mir läuft es eiskalt den Rücken hinunter.
Geht´s noch? Sorry, Schätzchen, da such ich mir lieber was anderes.

Das "Andere" ist dann immer eine individuell zusammengeschusterte Reise, die ich mir in mühevoller Kleinarbeit und intensiver Recherche gebastelt habe. So sind wir grundsätzlich in Ferienwohnungen und Zimmern über Airbnb, Hostels oder sonst was untergebracht. Mit Selbstversorgung. Das erste, was ich also nach meiner Ankunft frage: Wo ist denn hier der nächste Supermarkt? Und dann gehe ich einkaufen, bevor ich auch nur annähernd in den Urlaub gehen kann. Das trägt nicht gerade zu einer ausgelassenen Stimmung bei, wenn man bedenkt, dass ich vorher auch noch einen längeren Anfahrtsweg hatte und mich eigentlich auch mal ausruhen könnte.

Ich fühle mich diskriminiert! 

Ich kann diese Unflexibilität nicht wirklich nachvollziehen. Auf der einen Seite beschwert sich diese Branche über rückläufige Zahlen, meckert über Privatanbieter, wie sie bei Airbnb zu finden sind, hat Angst um ihre Existenz. Aber den demografischen und gesellschaftlichen Wandel ihrer Kunden haben sie offenbar noch nicht registriert. Seit Jahren steigt die Zahl der alleinerziehenden Mütter und Väter stetig. Laut Statista waren es 2.307 Tausend Mütter und 404  Tausend Väter, die 2014 als alleinerziehend gemeldet waren.  Im Jahr 2000 waren es noch knapp 400 Tausend weniger. Ist das zu wenig? Lohnt sich das nicht? Und wieso darf ich nicht so günstig reisen, wie eine größere Familie? Wir sind schließlich auch noch 1 Person weniger, würden daher auch weniger Aufwand machen, weniger Essen verschwenden, weniger Bettzeug brauchen etc. 

Oh! Sie sind alleinerziehend... dann haben wir andere Preise für Sie!

Ich empfinde den Kampf um einen schönen Urlaub als Belastung. Dabei würde ich echt gern mal Pauschal verreisen, weil ich mir das wirklich entspannend vorstelle. Man wählt sich irgendwo ein komplettes Angebot aus, bezahlt 1 Preis und dann fliegt man irgendwo hin, geht ins Hotel, kann sich erstmal ausschlafen und dann gemütlich zum Strand gehen. Stattdessen darf ich erstmal das komplette Internet hoch und runter recherchieren, wo und wie man günstig wegfahren kann, vergleiche stundenlang Preise, Anfahrtswege, Inklusivleistungen, zusätzliche Gebühren und Wohnraumqualität. Dort muss ich erstmal die Betten beziehen, den Kühlschrank füllen und die Grundversorgung der Kinder sicherstellen, bevor ich mich in die Entspannungsphase begeben kann. Dabei muss auch bedacht sein, dass ich das nicht nur einmal zu Beginn des Urlaubs tun muss, sondern jeden Tag. Warum fahre ich eigentlich in den Urlaub, wenn ich dort doch das gleiche tun muss, wie ich das zu hause auch machen muss? Jeden Tag. Nur eben an einem anderen Ort. 

Dann könnte ich doch auch gleich daheim bleiben. Oder etwa nicht?

Kommentare

  1. Oje... das stell ich mir wirklich sehr schwierig vor. Andererseits sind Pauschalreisen überbewertet ;-) wobei ich mir gut vorstellen kann, dass es viel entspannter sein könnte. Bis die Kinder so groß sind, dass sie gar keinen Urlaub mehr mit der Mama machen wollen...
    Liebe Grüße
    Maria

    AntwortenLöschen
  2. Ich bin zwar nicht alleinerziehend, kenne aber das Problem, da ich oft mit meinen beiden Jüngsten verreise. Die Preisgestaltung für einen Erwachsenen plus Kind/er ist rational wirklich nicht nachzuvollziehen. Ich finde allerdings, dass man bei Pauschalreisen mindestens genauso rechnen und vergleichen muss, weil sich doch stark unterscheidet, was inklusive ist und was nicht. Im Gegensatz zu Dir mag ich aber Ferienhaus-Urlaub lieber als Hotelurlaub, für mich finde ich das viel entspannter als wenn ich mich im Hotelrestaurant von kritischen Blicken kinderloser Gäste stressen lassen müsste, und dass nur weil die Kinder Kinder sind, benehmen können sie sich. Und ich finde es auch netter, viel Platz zu haben als mich zu dritt auf 20 m² zu quetschen. ;) Im Ferienhaus fühl ich mich jedenfalls komplett unabhängig, Regeln und Termine und feste Essenszeiten haben wir im Alltag genug. Traditionell gibt’s am ersten Abend immer Spaghetti mit Tomatensoße, fürs Frühstück sind Cornflakes und (eklige) H-Milch im Gepäck, falls uns nicht doch direkt die Lust überkommt, auf Erkundung zu gehen und dabei auch einzukaufen (wenn es denn mit den Ladenöffnungszeiten passt).
    Ok, aber Urlaubsvorlieben sind verschieden, und da ist es wirklcih unfair, dass solo mit Kindern teurer wird als für 2 Erwachsene plus Kind.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich verreise mittlerweile auch nur noch in Ferienhäusern/-wohnungen.
      Aber eigentlich wollte ich in meinem Beitrag eher darauf hinaus, dass man als Alleinreisende mit Kindern ziemlich blöde da steht, wenn man gern mal eine Pauschalreise buchen möchte, oder einfach mal günstig verreisen will.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Anja liest: Stefan Wollschläger - Friesenklinik

Anja liest: Robert J. Sternberg - Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt

Anja liest: Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr