Anja liest: Pierre Lagrange - Tod in der Provence (Albin Leclerc 1)

Ich habe bei Lovelybooks an einer Leserunde teilgenommen und dieses Buch gewonnen. Ich habe mich dafür beworben, weil ich zum einen schon oft in der Provence war und es dort ganz wunderschön fand. Zum anderen, weil mir der Protagonist, ein Polizist im Ruhestand mit Mops, sehr gefallen hat. Das Buch umfasst satte 426 Seiten - für einen normalen Krimi ist das ganz ordentlich. Der Autor hat bereits mehrere Krimis geschrieben und diesen nun unter dem Pseudonym "Pierre Lagrange" veröffentlicht.



Albin Leclerc ist ein schlecht gelaunter Pensionär. Er war Polizist in der Provence und dort sehr bekannt und anerkannt. Zu seinem Ruhestand hat er von seinen Kollegen einen Hund geschenkt bekommen den sie Tyson genannt haben - Tyson, wie der Boxer - denn Tyson ist ein Mops. Er sitzt eines Tages in seinem Lieblingscafé bei Matteo, als ihn eine schreckliche Nachricht erreicht: die Leiche einer rothaarigen Frau wurde gefunden... und ihr fehlen die Füße! Albin weiß sofort bescheid, denn seit Jahren treibt sich in der Provence ein Serientäter herum und jetzt hat er, nach sehr langer Pause, wieder zugeschlagen. Das lässt Albin natürlich keine Ruhe und er beginnt herumzuschnüffeln und geht damit seinen Kollegen auf diese Nerven und besticht sie mit Schokocroissants, um Informationen aus ihnen herauszukriegen. 
Zur gleichen Zeit zieht Familie Streuben auf ein Schloss, dass sie geerbt haben. Die Ehe von Hanna und Niklas ist angespannt. Niklas scheint sich nicht gern ums eine Familie zu kümmern und vergräbt sich in Arbeit, während Hanna ihn verdächtigt eine Affäre zu haben. Dazwischen steht Lilly, die kleine Tochter der beiden. 

Ich muss sagen, dass ich bis jetzt noch nicht weiß, was ich von diesem Buch halten soll. 
Ich habe die Passagen, in denen die Ermittlungen von Albin beschrieben werden, sehr genossen. Er ist noch von der "Alten Schule" und schnüffelt überall herum, befragt Leute und lauert den Kollegen sogar in der Freizeit auf. Dabei entdeckt er Zusammenhänge und Muster, die ihn immer weiter voranbringen. Das hat mir sehr gefallen. Auch das Tempo, in dem er seine Erkenntnisse erhält, stimmt. So wird es nie langweilig und ich musste mir nie denken: OGott, du Idiot, das ist doch offensichtlich! Ich hatte allerdings schon sehr früh einen bestimmten Verdacht, der sich am Ende tatsächlich bewahrheitete - ich wäre so eine tolle Miss Marple geworden...

Dagegen sind die Kapitel um Familie Streuben beinahe nervtötend. Hanna geht mit Dollarzeichen in den Augen durch das Schloss und will am liebsten alles verscherbeln, was nicht niet und nagelfest ist. Sie hintergeht ihren Mann und stiehlt wichtige Dokumente, die sie einem Geschichtsverein zum Verkauf anbieten will. Dabei schwebt immer ihre Unzufriedenheit über der Situation. Ständig mutmaßt sie, dass ihr Mann eine Affäre hat, dichtet ihm Bettgeschichten mit allen möglichen Kolleginnen und Praktikantinnen an. Dabei wird sie selbst von einem Maler aus der Region angemacht und geht mit ihm sogar schwimmen - nackt. Also bitte! Die Frau ist anscheinend einfach nur dumm und fantasielos. Und geredet wird in dieser Ehe offensichtlich auch nicht - wieso sollte man denn mit seinem Ehepartner auch REDEN wollen?

Die Passage um die "Probleme" der Familie waren mir eindeutig zu lang und absolut überflüssig. Sicher, man erhält hier und da ein paar Informationen und Andeutungen, die wichtig zu sein scheinen, aber mehr auch nicht. Diese Kapitel sind weder für die Handlung wichtig, noch sind sie irgendwie interessant, sie halten einfach nur auf. Es wird die ganze Zeit nur erzählt, wie sich Hanna vernachlässigt fühlt und zickig wird. Ich habe diese Kapitel irgendwann nur noch überflogen. Ehrlich, wenn ich mir eine Familiengeschichte auf diesem Niveau antun möchte, kaufe ich mir einen Rosamunde-Pilcher-Roman. 

Desweiteren fand ich die Passagen, in denen sehr detailreich beschrieben wird, wie die Opfer überfallen und zerhackstückelt werden, echt derbe. Das muss doch nicht sein. BAH! Das hat so gar nicht in den Stil gepasst. 

Am Ende weiß ich nicht so recht, was ich von diesem Roman halten soll. Ich habe das Gefühl, dass der Autor mehrere Genre in einen Krimi packen wollte und herausgekommen ist irgendwas ... Halbgares... Ständig schwankt der Leser zwischen dem Gemetzel des Mörders, den Eifersüchteleien der zickigen Ehefrau und den intelligenten Überlegungen des Polizisten. Ich wusste irgendwann echt nicht mehr woran ich bei diesem Buch eigentlich bin... 

Die Figur Albin Leclerc ist super ausgearbeitet und gradlinig. Die Dialoge mit den Kollegen und Freunden - und dem Mops - sind göttlich. Die Ermittlungen sind schlüssig und die Handlungen haben einen perfekten Spannungsbogen. Das Ende und die Auflösung sind super gemacht und wirklich fesselnd.
Aber der Rest... lass es weg... reduzier es... mach irgendwas... das nervt.




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