Reisen mit Kindern: ins Rheinland

Ich mache gern Urlaub in Deutschland. Ich finde mein Heimatland schön und finde, es wird viel zu sehr unterschätzt. Meine Wahl 2015 fiel auf das Rheinland, weil ich Berge sehen wollte, aber nicht in den Harz wollte - da komm ich nämlich her, und ich wollt so gern mal was anderes sehen.

Als ich nun mit breitem Grinsen in meinem Freundeskreis verkündete, wohin dieses Jahr die Reise ging, wurde ich ausgelacht. "Das wäre kein richtiger Urlaub", hieß es. Mir kam die Frage auf, was denn "richtiger" Urlaub sei? Und gäbe es dann nicht auch einen "falschen" Urlaub? Ich ließ mich nicht von meinem Vorhaben abbringen, auch wenn man mir erzählte, dass es für die Kinder langweilig werden würde, weil dort nur alte Leute Urlaub machten. Ich darf behaupten - weil selbst erprobt - im Rheinland kann man super Urlaub machen.


Eine Woche am Laacher See. Wir hatten eine kleine Ferienwohnung über Airbnb ergattert, so dass es für uns sehr günstig wurde. Verpflegen mussten wir uns natürlich selbst. Es gab keinen Supermarkt im Ort, deshalb mussten wir in den nächstgrößeren fahren, um unseren Wochengroßeinkauf zu erledigen - was aber nicht schlimm war. Damit müsst ihr wohl rechnen, wenn ihr euch in einem kleinen Dorf mitten in der rheinländischen Pampa niederlasst. Die Strecken sind aber meist nicht sehr weit. Ein kleiner Tipp am Rande: merkt euch, wo die Tankstellen sind! Davon gibt es in der Umgebung nämlich nicht sehr viele!

Was man im Rheinland alles machen kann:

1. am Rhein sein

Am ersten Tag war mieses Wetter... dolle Wurst. Den Tag vorher auf der Hinfahrt mussten wir mit 40° Außentemperatur zurechtkommen, und nun das! Wir sind dann an den Rhein gefahren und haben dort Steine springen lassen, sind im Wasser mit den Gummistiefeln herumgewatet und haben dort Eis und Kuchen gegessen. Es gibt zahlreiche Cafés am Rhein. Es ist dabei völlig wurscht, welchen Ort ihr dabei wählt, es gibt überall Cafés, Restaurants und Möglichkeiten für ein kleines Picknick (bei schönem Wetter). Außerdem kann man dort die großen Schiffe fahren sehen, was die Kinder natürlich super toll finden.


2. Maria Laach anschauen

Naja... da hatte der Reiseführer irgendwie mehr versprochen, als gehalten wurde. Maria Laach ist ein Kloster mit einer kleinen Kirche und ... hauptsächlich... Shops. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut von einem Mönch durch die Klosteranlage geführt zu werden, aber das war wohl nicht möglich. Schade. Dafür könnt ihr euch in der Gärtnerei mit allen möglichen Pflanzen und in dem Buchladen mit spirituellen Büchern eindecken. Wem´s gefällt. Die Kirche an sich ist sehr klein. Wir haben uns nur rund eine Stunde an diesem Ort aufgehalten. Hat uns nicht wirklich vom Hocker gehauen.



3. im Laacher See baden

Die Klosteranlage war doof, aber der Laacher See war super. 
Obwohl der See ziemlich groß ist, darf an nur einer Stelle gebadet werden. Und diese Stelle liegt an einem Campingplatz und kostet - nicht unerheblich - Eintritt. Fahrt so früh hin, wie möglich, es gibt kaum Parkplätze (für die müsst ihr übrigens auch bezahlen). Deshalb werdet ihr sehen, dass sehr viele Autos am Straßenrand stehen. Ist wahrscheinlich auch viel besser: man muss keine Parkplatzgebühr zahlen und steht schön schattig.

Der Laacher See an sich ist ziemlich cool. Es gibt eine schöne Wiese, auf die man sich platzieren kann. Außerdem sind Toiletten und andere Hygiene-Örtchen aufzufinden und für die Verpflegung ist auch gesorgt - natürlich. Eure eigene Lunchbox dürft ihr natürlich auch mitbringen, aber wer will schon ein Wurstbrot, wenn man Pommes haben kann. Das ganze Areal ist mega sauber, keine Bierflaschen, keine ollen Pappbecher. Überall stehen Papierkörbe, die jeder benutzt. Erstaunlich.



Wer Boot fahren kann, darf das hier auch, in ausgewiesenen Bereichen.
Der See selbst hat am Ufer eine breite Stelle flachen Wassers, so dass man die Kinder auch allein ins Wasser schicken kann. Es gibt keine Algen oder sonstiges ekeliges Zeug. Und weil es ein See ist, auch keine böse Strömung, die die Kinder mal eben wegspülen könnte. Das ist sehr beruhigend.

Wir haben den Laacher See fast jeden Tag besucht. Vormittags sind wir in irgendein Museum gegangen und nachmittags dann zum baden.


4. viele Museen besuchen

Es gibt soooo viele Museen und Ausstellungen hier. Falls ihr eine schlechte Woche erwischen solltet, könnt ihr die gesamte Gegend abgrasen, euch würde nicht langweilig werden.

Wir waren im Vulkanmuseum (Lavadom) in Mendig. Das ist super! Es gibt nicht nur eine sehr informative Ausstellung, sondern auch eine Führung unter die Erde. Ausstellung ist für Kinder und Erwachsene zugleich konzipiert. Die Erwachsenen dürfen auf Tafeln lesen, was die Kinder an Spielzeugen ausprobieren dürfen. Was ist ein Vulkan? Wer sind Vulkanforscher? Aus was besteht Lava und Gestein? Am besten hat uns die obere Etage mit den Geschichten um die berühmtesten Vulkanausbrüche gefallen. Den Kindern wird hier die Geschichte von anderen Personen zur Zeit des Ausbruchs erzählt. Z.B. der Ausbruch des Vesuv aus Sicht eines römischen Soldaten. Das macht das Ganze gleich viel anschaulicher.
Für die Führung unter die Erde solltet ihr noch einen Pulli bei der Hand haben und dicke Socken. Ihr bekommt zwar Regenschutz und Helm, aber die reichen nicht aus. Ihr werdet frieren und eure Füße werden nass. besser nicht mit den Canvas-Schläppchen oder Sandalen hinuntersteigen. Es ist verdammt kalt.

Außerdem waren wir im Erlebnismuseum Römerwelt in Rheinbrohl, was uns schwer begeistert hat. Nicht nur, dass wir uns verkleiden konnten, sondern wir durften auch alles ausprobieren und anfassen. Es gibt sogar einen großen Platz, auf dem man Krieg spielen kann, wenn man genug Kinder zusammen hat. Es gibt Lager anzusehen, Rüstungen, Spiele, Waffen, große Waffen - also die richtig großen Steinschleudern und so... und man kann Eis essen ;) Einwandfrei. Der Eintritt ist erstaunlich übersichtlich. Die Ausstellung ist sehr liebevoll aufgebaut. Die Eltern können es sich auf Bänken bequem machen, während die Kinder durch die Gegend sprinten und sich selbst in die Römerzeit zurückversetzen. Einfach gelungen. Auf jeden Fall ein Besuch wert!

Zu guter letzt ein ganz besonderes Häppchen: Das Schloss Monrepos in Neuwied - Das Schloss der Forscher. Hier befindet sich das archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution. Sprich: warum tun wir das, was wir tun? Das klingt erstmal kompliziert, ist es aber nicht. Wir haben die Familienführung mitgemacht und die Kinder waren mächtig beeindruckt, denn hier durften sie echte Säbelzähne in die Hand nehmen und sich auf die Felle legen. Die Führung ist so konzipiert, dass die Kinder alles verstehen können, ausprobieren dürfen und selbst testen können. Außerdem gibt es ein kleines Rätsel zu lösen. Das hat echt Spaß gemacht. Und es meckert auch niemand, wenn die Kinder herumtollen.
Im Museum befindet sich ein sehr niedliches Café-Restaurant. Eingerichtet wie auf einem Schloss - haha... klar... echt gemütlich. Wir haben dort zu Abend gegessen. Der Koch ist super nett und richtet sich gern nach Kinderwünschen. Achtung: man kann dort nicht mit Karte zahlen. Nebenbei: man hat von dort oben einen atemberaubenden Ausblick! Allein dafür lohnt es sich schon.

Alles in allem war es ein herrlicher Urlaub!

Wir waren leider nur eine Woche im Rheinland und konnten nicht alles besichtigen und besuchen. Wer weitere Tipps hat, kann sie gern über die Kommentarfunktion preisgeben. 


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