Anja liest: Jörg Maurer - Föhnlage

Ein Alpenkrimi - Band 1 der Kommissar Jennerwein-Serie


Mir wurde diese Krimireihe von einer Bekannten empfohlen und wie es scheint, haben wir einen sehr ähnlichen Bücher-Geschmack. Ich war zuerst etwas skeptisch, einen Alpenkrimi zu lesen, doch ich wurde positiv überrascht. Allein schon am Schreibstil habe ich mich sehr erfreut. Man merkt, dass der Autor ein bekannter Münchener Kabarettist ist, denn die Dialoge, Situationen und Charaktere sind zum Teil schreiend komisch - und doch immer noch glaubwürdig.



In einem beliebten bayrischen Kurort herrscht der Föhn! Wer den Föhn nicht kennt, der sei vorgewarnt, denn während dieser Zeit sind die Bewohner des bayrischen Voralpenlandes nahezu unberechenbar. Während eines Klavierkonzerts einer ortsbekannten Skandalnudel - der Saal vollbesetzt, weil sie im Interview angedeutet hatte, sich während des Konzerts zu entkleiden - wird ein Ironman von einem herabstürzenden sächsischen Kartenabreißer aus Versehen erschlagen. Der Saal ist vollbesetzt mit Teilnehmern des Ärztekongresses. Niemand will den Sturz gesehen haben. Viele halten den Unfall für eine Showeinlage der klimpernden Skandalnudel. Jennerwein und sein Team der Soko Edelweiß ermitteln und stoßen dabei auf verborgene Leichen im Keller - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Charaktere sind mir sehr sympatisch. Sogar die Verbrecher. Der Autor vermeidet es im weitesten Sinne Klischees zu bedienen, was mir sehr gefallen hat. Wer mag denn schon lesen, wie sich zwei Trachten-Jockels raufen, das hätte mir zu sehr was von Heimatfilm gehabt. Herr Maurer scheint das zu wissen und lediglich ein paar Kurort-Unikate eingebaut. Dabei beschreibt er aber seine Heimat sehr liebevoll und mit dem nötigen Witz:

"Das Gesicht haben Sie nicht gesehen?"
"Da habe ich nicht drauf geachtet."
"Auf das Gesicht schaut man doch als Erstes."
"Ich nicht."
"Worauf haben Sie denn als Erstes geschaut?"
"Auf die Messingknöpfe. Die haben nämlich nicht gestimmt. Die Hosenknöpfe an einer solchen Lederhose müssen aus Hirschhorn sein, vielleicht gerade noch aus Rinderhorn, aber nie und nimmer aus Messing. Messingknöpfe gehören zum Beispiel an einen Strickjanker..."
"Beschreiben Sie jetzt doch bitte endlich den Burschen."
"Das tu ich doch gerade. Die falschen Hosentürlknöpfe sagen viel über den Burschen aus. Eigentlich alles."

Die Story an sich hat mir sehr gefallen. Auch wenn der Fall, meines Erachtens, nicht unbedingt kompliziert war, hat der Autor es verstanden den Bogen genau richtig zu spannen. Ein Hinweis folgt dem anderen. Er wechselt die Perspektiven und schweift ab und an in die Vergangenheit, um die Gegenwart zu erklären. Dadurch erhält man einen guten Eindruck von den Charakteren. 
Ich finde es auch sehr gut, dass der Autor auf dramatische Ereignisse in der Vergangenheit verzichtet. In wie vielen Krimis haben denn die Kommissare durch einen tragischen Unfall Frau und Kind verloren, und leiden jetzt noch darunter? Ich find es sehr gut, dass der Jennerwein ein ganz normaler Mensch ist, der keine Persönlichkeitsstörungen hat oder andere Psychosen. Das macht ihn mir noch sympatischer. 

Alles in Allem ein sehr amüsanter, kurzweiliger Krimi, den ich jederzeit empfehlen kann.

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