Anja liest: Robin Sloan - Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Dieses Buch habe ich bei einem kurzen Ausflug in die Buchhandlung ergattert und war ein Zufallsgriff. Dem Titel nach hatte ich angenommen einen Fantasy-Roman oder ähnliches in dieser Richtung vor mir zu haben, allerdings habe ich nicht ganz Recht behalten.


Es geht um einen jungen Webdesigner Clay, der händeringend einen Job sucht und letztendlich bei Mr. Penumbra in der Buchhandlung landet. Er übernimmt die Nachtschicht, da der Laden durchgehend geöffnet hat. Schon bald stellt er fest, dass der Laden nicht allzu hoch frequentiert wird, da Mr. Penumbra im vorderen Bereich nur gebrauchte Bücher zur Auswahl hat und davon nicht wirklich eine gute Mischung. Zunächst versucht er alle Marketings-Tricks anzuwenden, die er kennt: Eine Anzeige bei Google, ein Facebook-Eintrag mit 1 Fan, etc., aber nichts scheint zu fruchten. Und dann entdeckt er, dass im hinteren Bereich der Buchhandlung sogenannte "Ladenhüter" stehen, alte - steinuralte - Bücher, die von Mitgliedern eines mysteriösen Buchclubs ausgeliehen werden. Diese Mitglieder sind ein lustiger Haufen verschrobener Charaktere, sie kommen und gehen unerwartet, sind zerstreut und fahrig, und mindestens genauso alt wie die Bücher, die sie sich ausleihen. Es scheint etwas merkwürdiges vorzugehen in diesem Buchladen. Mit modernster Computertechnik löst er zusammen mit seinen Freunden ein Rätsel und lüftet damit die Geschehnisse hinter dem Buchclub. Und dann gilt es das Rätsel aller Rätsel zu lösen.
Das Buch ist aus Sicht von Clay geschrieben und bedient sich einer flüssigen und gut verständlichen Sprache.  Ab und an ist es etwas langatmig, weil Clay all seine Überlegungen und Theorien langatmig erklärt und ausführlich dargelegt. Das ist manchmal sehr mühselig, besonders wenn die Handlung eigentlich sehr spannend ist und man gerade ganz schnell wissen will, wie es weitergeht und sich dann durch 4 Seiten Raumbeschreibung lesen muss. Zum Ende hin wird es aber schneller und die Auflösung kommt recht rasant daher. Die Geschichte an sich ist rund und stimmig und hat Spaß gemacht.
Ein Manko ist für mich die viel zu häufig verwendete Technik. Das Rätsel wird mit Hilfe von Google und hochmodernen Apparaten und Programmiersprachen entfacht. Das hat mir irgendwie den Zauber an dieser fantastischen Geschichte genommen. Es kann ja sein, dass der Autor gerade dies als Kontrast zu den "alten Büchern" genommen hat, um die Besonderheit hervorzuheben. Aber ich war schon sehr enttäuscht, als er das erste Rätsel mithilfe eines, an einem Abend programmierten, 3-D-Models löst, woran die Mitglieder dieses Buchclubs über Jahrzehnte hinweg gearbeitet hatten. Irgendwie frustrierend. Und ich hab mich in solchen Momenten gefragt, warum ich überhaupt lese, wenn mir Google doch alles so schön mundgerecht serviert? In diesem Zuge hat mir die Entwicklung von Clays Freundin Kat auch nicht wirklich gefallen. Im Laufe der Geschichte ist sie geradezu besessen von der Idee, dass sich hinter dem Geheimnis die Unsterblichkeit verbirgt. So ein schlaues Kind und doch so dumm und voller Angst vor der Sterblichkeit. Ich hatte ja gehofft, sie würde am Ende wenigstens verstehen und die Gänze begreifen - leider nicht.
Jedoch hat das Buch ein gutes und schönes Ende. Keiner Stirbt und alle werden glücklich.


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