Anja liest: John Irving - Die vierte Hand

Mein erster Irving! Ich habe es auf einem Bücherflohmarkt gefunden und dachte "Den nehm ich mir mal mit.", um ihn dann auf einer Lesenacht zu beginnen.
Es geht um einen schicken TV-Moderator mit überdurchschnittlich aktivem Sexualleben und hoher Frequenz im Partnerwechsel. Peter arbeitet bei einem nicht ganz seriösen Nachrichtensender, der sich am liebsten die emotionalsten und schrecklichsten Fälle aussucht, weshalb er mit seinem Job auch nur mäßig zufrieden ist, da er gern gründlicher und tiefer in die Hintergründe gehen würde und so richtigen Journalismus betreiben will. Bei einem Einsatz in einem indischen Zirkus wird ihm von einem hungrigen Löwen die linke Hand abgebissen und sofort verspeist. Das Bild geht über den Äther und verbreitet sich wie ein Lauffeuer, nun ist er der "Löwenmann". 

Der Verlust seiner Hand tut seiner Kariere zunächst keinen Abbruch, jedoch wird er nur noch auf die schlimmsten und haarsträubendsten Fälle angesetzt, was ihm den Zunamen "Katastrophenmann" einbringt. Als er nach 3 Jahren einen Anruf von Dr. Zajac, einen berühmten Handspezialisten, erhält, dass er gern eine Handtransplantation durchführen möchte, sagt er spontan JA. Ein Spender ist sogar schon gefunden, allerdings lebt dieser noch und erfreut sich zudem noch bester Gesundheit. Seine Frau Doris hat seine Hand als Spende angeboten. Doch man braucht nicht lange zu warten, da kommt der Spender auch schon unfällig ums Leben - die Hand ist jedoch unversehrt. Also kann es los gehen. Die Sache hat nur einen Haken: Doris räumt Besuchsrecht bei der HAND ein. Beim Kennenlernen schlafen die beiden miteinander und Doris wird tatsächlich schwanger. Die Handtransplantation läuft hervorragend und nun verbringen Doris, die Hand und Peter sehr viel Zeit miteinander.
Bis zu diesem Punkt ist das Buch sehr gut. Es ist witzig, die Charaktere ist unmöglich und herrlich bekloppt. Die Sprache des Autors ist sehr ironisch, bissig und manchmal fragt man sich, ob er selbst noch alle Latten am Zaun hat - ein paar Seiten weiter lacht man sich schlapp. Die Story für sich ist schon sehr ungewöhnlich, wer möchte schon Besuchsrecht bei einem gespendeten Organ...  Aber Irving ist ein wunderbarer Schreiberling und fesselt den Leser mit seiner Art an das Buch. Jedenfalls bis zu dieser Stelle.
Dann wird es sehr schnulzig. Das Ironische fehlt und er driftet ab in das Durchschnittliche. Die Geschichte, bis zu diesem Zeitpunkt sehr spannend, wird langweilig und durch die fehlende Ironie recht langwierig. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Handlungen der Charaktere nicht mehr wirklich zu ihnen passen. Sicher sollten sich die Personen innerhalb der Story schon entwickeln, aber dem Protagonisten nehm ich das definitiv nicht ab. Bei Dr. Zajac und Doris passt das gut, aber leider nicht bei der Hauptperson. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass dieses Buch nicht zu Irvings guten Veröffentlichungen gehört, daher habe ich Hoffnung, dass der nächste besser wird.
Irving und ich haben auf jeden Fall zueinandergefunden. 

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