Anja liest: Emily Bronte - Sturmhöhe

Ich habe mich aufgrund eine Radiosendung dazu entschieden dieses Buch zu lesen. In der Radiosendung wurde hervorgehoben, dass dies weniger eine Liebesgeschichte sei, als eine interessante Lektüre für Psychologen. Bisher stand dieses Buch für mich in einer Reihe mit anderen Klassikern/Liebesromanen dieser Art und da ich schwülstige Liebesgeschichten mit Intrigen und Verrat nicht mag, habe ich diese Bücher bisher nicht angerührt. Daher war ich schon skeptisch, als ich mich entschloss Sturmhöhe zu lesen. 

Ich war zunächst überrascht, dass es sich so leicht lesen lässt. Die Sprache ist verständlich und eingängig. Ich habe Bücher aus neuerer Zeit gelesen, wo es mir wesentlich schwerer viel zu folgen und zu verstehen. Der Erzählstil ist zu Anfang etwas ungewöhnlich, da die Haushälterin Nelly die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, aber man gewöhnt sich recht schnell daran. Ab und an gibt es längere Passagen oder Monologe, die sich hinziehen und etwas langatmig wirken -  gerade wenn z.B. Cathy ihre wirren Reden schwingt. Dann geht es wiederum mit der Handlung so schnell voran, dass gleich mehrere Jahre übersprungen werden. 
Die Personen sind durchgängig charakterisert, keine plötzlichen unerklärlichen Schwankungen oder ähnliches. Dafür sind die Hauptcharaktere Cathy und Heathcliff aber durch und durch unsympathisch. Beide sind absolute Egoisten, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und bösartig ohnegleichen zu anderen Menschen. Ein Wunder dass sie sich lieben können. Im Prinzip geht im ganzen Buch nur darum, dass Heathcliff Rache nehmen will und sich alle möglichen perfiden Intrigen ausdenkt um letztendlich an sein Ziel zu kommen. Mehrere Generationen leiden unter seiner Bösartigkeit. Und als er es letztendlich hat, kann er sogar eine Art Glücksgefühl empfinden, was ihm überhaupt nicht gefällt, und beschließt zu sterben.
Trotzdem hat das Buch ein schönes Ende. Soviel sei noch verraten. 
Wer das Buch liest und eine leidenschaftliche Liebesgeschichte erwartet, wird schwer enttäuscht werden und das Buch nicht mögen. Viele schreiben, sie hätten das Buch nur gelesen, weil es das Lieblingsbuch von Bella aus den Biss-Büchern wäre. Ich kenne diese Bücher nicht, aber nachdem was ich so davon gehört habe, haben diese nicht im Geringsten auch nur ansatzweise etwas mit der Geschichte auf Wuthering Heights gemein. Wahrscheinlich das die Autorin eine schwülstige Verfilmung dieses Buches gesehen und dachte sich, das es gut zu ihrer Geschichte passen könnte. Wer also mit diesen Erwartungen an Sturmhöhe herangeht, wird schwer enttäuscht.
Ich habe gelesen, dass Wuthering Heights nach seiner Herausgabe auf Widerstand und Ablehnung in der damaligen Zeit stieß. Das mag daran liegen, dass hier viele Facetten der zwiespältigen Gesellschaft gezeigt werden. Wer Geld hat, hat die Macht. Das ist natürlich ungerecht. Aber sieht es in unserer heutigen Gesellschaft denn anders aus? 

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