Selfpublishing: Ist das einen Preis wert?

Bildquelle: Pixabay
Mit dem StoryTeller Award von Amazon, dem Indie-Award und dem Selfpublishing Preis haben nun auch Bücher ohne Verlag eine Chance auf Preise und damit auch mehr Aufmerksamkeit. Die Selfies freuen sich, während andere Personen diese Entwicklung durchaus kritisch betrachten. Ist es denn wirklich notwendig Selfpublishern einen Preis zu geben? Selfpublisher würden Bücher von minderer Qualität abliefern und die Inhalte seien trivial. Immerhin gebe es ja auch keinen Rosamunde-Pilcher-Schnulzen-Preis. Ich habe die Preisverleihungs- und Award-Szene in Deutschland einmal genauer betrachtet.




Der Selfpublishing-Preis

Hinter dem Deutschen Selfpublishing Preis #dspp18 stehen die MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) und der Selfpublisher  Verband e.V. Dazu gibt es noch zahlreiche SponsorInnen und UnterstützerInnen aus namhafter Riege. Laut Homepage soll der Preis herausragende Bücher von Selfpublishing-AutorInnen auszeichnen. Dazu haben die VeranstalterInnen eine Liste aufgestellt, die von den Büchern der AutorInnen erfüllt werden müssen. Gesucht werden Bücher, die professionell, innovativ, erfolgreich, zielgruppengerecht und sprachlich ausgezeichnet sind. Die PreisträgerIn soll ein hervorragendes Beispiel für andere SelbstverlegerInnen darstellen. Dazu wird die Erfüllung einer Reihe von Kriterien erwartet: professionelles Cover, Lektorat / Korrektorat, Gestaltung des Innenteils (Buchsatz), Einhaltung aller rechtlichen Nebenbedingungen (wie z.B. Impressum), inhaltlich ohne Einschränkungen lesbar (keine pornografischen oder strafbaren Inhalte), außerdem muss das Werk abgeschlossen sein. (Quelle: Selfpublishing-Preis.de) Es sind also eine Menge Kriterien vorhanden, die AutorInnen erfüllen müssen.

Ähnliche oder dieselben Kriterien müssen AutorInnen für andere Preise ebenso erfüllen.  Es ist daher nicht davon auszugehen, dass der neueste Tagebucheintrag mit selbst gemaltem Cover und Comic Sans Druckschrift von Fritzi Müllerin in die engere Auswahl kommt. Die SelfpublisherInnen werden professioneller und die Szene bringt großartige Werke hervor, die mit dem Preis belohnt werden sollen. Über die Inhalte lässt sich streiten, jedoch ist dies bei einem SelfpublisherPreis, der nicht nach Kategorien unterteilt ist auch kaum möglich. Es kommt bei diesem Preis hauptsächlich auf die Professionalität an. Außerdem es ist keinesfalls so, dass lediglich hochgestochene, philosophische, weltverändernde Werke in Deutschland mit Preisen belohnt werden.


Preisbindung

Vorab: es gibt wirklich keinen Rosamunde-Pilcher-Schnulzen-Preis für ebensolche Literatur (warum eigentlich nicht?). Dafür gibt es eine Reihe anderer Awards zu gewinnen, und zwar so viele, dass es bei Wikipedia eine Liste gibt, die nach Alphabet geordnet werden musste. Allein der Buchstabe A enthält 20 Preise für Literatur jeglicher Art. Darunter sind auch ehemalige Preise aufgeführt. Viele Preise sind regionale Auszeichnungen oder Genre-Awards: Es gibt den Deutschen Science Fiction Preis, den Deutschen Jugendliteraturpreis, den Deutschen Krimipreis, den Deutschen Kurzkrimipreis, den Deutschen Fantasy Preis und es gibt sogar einen Deutschen Gartenbuchpreis.

Da gab es zum Beispiel bis 2014 einmal einen Agatha-Christie-Krimipreis für Kurzgeschichten. Seit 1967 gibt es den Astrid-Lindgren-Preis für Kinderbücher, der weit bekannt sein dürfte, ebenso wie der Comichbuchpreis, der seit 2014 verliehen wird. Da ich in der Fantasy unterwegs bin, kenne ich hauptsächlich die Auszeichnungen in diesem Genre (Seraph, Deutscher Phantastik Preis etc.) Aber es gibt auch alle möglichen anderen Preise, von den ich persönlich noch nie etwas gehört habe: Usedomer Literaturpreis, Wildweibchenpreis oder der Buxtehuder Bulle.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass quasi jede Region oder Stadt ihre eigenen Preise hat, um irgendwelche SchriftstellerInnen zu erinnern, die dort einmal gewohnt haben oder daran vorbeigezogen sind. Dazu gibt es dann auch die Auszeichnungen, die nach SchriftstellerInnen benannt sind, von denen man noch nie gehört hat - natürlich neben all den (international) bekannten AutorInnen wie die Brüder Grimm, Brecht und Droste-Hülshoff.  Immerhin gibt es auch einen Ephraim-Kishon-Preis, dessen Namensgeber für seine satirischen Werke bekannt war. Wenn also schon jede Stadt und jedes Genre einen Preis hat, warum nicht auch die SelfpublisherInnen?


Das Geschäft mit Selfpublishing

In einem Artikel wurde dem SelfiePreis vorgeworfen, dass er nur zu Marketingzwecken bestehe. ... ... Natürlich! Was denn sonst? Welcher Preis besteht denn aus dem Grund des Spaßes? All die Preise, die Auszeichnungen, Medaillen, Erinnerungsdinger bestehen nur aus einem Grund: Marketing! Aufmerksamkeit für das Genre, die Region, die Stadt, die Person X oder das Unternehmen Y. Aus welchen anderen Gründen wurden denn diese Preise sonst gegründet? Bestimmt nicht, weil irgendwelche Leute zu viel Geld übrig haben und das unbedingt in völlig unbekannte AutorInnen investieren wollen.

Und wenn man mal einen Blick auf die Sponsoren der verschiedenen Literaturpreise wirft, muss man feststellen, dass hier kaum wirklich renommierte Literaturgesellschaften dahinter stehen, sondern Kommunen, Unternehmen und private Geldgeber, die auf sich aufmerksam machen möchten. Es ist also nicht so, als würden andere Literaturpreise nur von bekannten literarischen Einrichtungen vergeben werden. Und der Vorstand des Unternehmen X, der in der Jury sitzt, hat auch nicht zwingend Literatur studiert. Wenn man sich dagegen die Jury des Selpublishing-Preises ansieht, wird deutlich, dass hier Profis aus der Buchbranche vertreten sind, wie z.B. Ronald Schild, der Geschäftsführer der MVB, die Autorin Nina George, Jochen Wegner, der Chefredakteur der Zeit Online und weitere.

Es wird auch häufig über die inhaltliche Bedeutungslosigkeit der Bücher aus dem Selfpublishing gemeckert, als würden die Werke von VerlagsautorInnen grundsätzlich literarisch wertvoll sein. Bei vielen Preisen kann man davon ausgehen, dass dort solche AutorInnen gefördert und ausgezeichnet werden, die die besten Kontakte zur Jury oder Wirtschaftsunternehmen haben, nicht die, die wirklich herausragende Werke geschaffen haben. Mal abgesehen davon, dass die GewinnerInnen des Deutschen Gartenbuchpreises auch nicht wegen ihrer hochgestochenen Prosa gerühmt wurden. Auch nehme ich an, dass die inhaltlichen Ergüsse in den Werken der AutorInnen den Sponsoren von Stihl und Dehner völlig wurscht sind - Hauptsache das Firmenlogo prangt auf der Homepage und den Veranstaltungen. Das ist eben Marketing.


Fazit

Natürlich ist es völlig legitim, dass SelfpublisherInnen einen Preis haben, warum auch nicht. Wer behauptet, dass der Preis nur aus Marketingzwecken besteht, hat Recht. Genauso wie andere Preis auch, hat dieser Preis das Ziel, die Szene und die dazugehörigen AkteurInnen bekannter zu machen und das Image zu verbessern. Das machen andere Auszeichnungen ebenso und daran ist nichts Verwerfliches oder bringt gar einen schlechten Ruf. Einen schlechten Ruf haben vor allem solche, die sich darüber aufregen, ohne ordentlich recherchiert zu haben. Oder wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen? Was bei anderen Literaturpreisen also völlig normal ist, macht den Selfpublishing-Preis schlecht? Nein, soweit wollen wir doch nicht gehen, oder?


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Enthüllungsakte: Kleinverlage versuchen die Buchweltherrschaft an sich zu reißen

Frauen in der Fantasy 6: Gut zu Vögeln ...

Schreiben: do your research!