Frauen in der Fantasy 3: Auf in den Kampf!

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Eigentlich gibt es nicht zu wenig Frauen in der Fantasy. Die, die aber da sind, sind meist nach ein und dem selben Muster gestrickt. Viele AutorInnen wollen starke Frauen schaffen, gut ausgebildet für den Kampf gegen Vampire, Dämonen, Aliens oder den Alltag. Doch irgendwie scheint das Konzept nicht so ganz aufzugehen. Die Charaktere scheinen nicht bis zum Ende durchdacht.



Ich habe mal ein Manuskript lektoriert. Es ging um eine Vampirfrau, die als Kämpferin ausgebildet wurde, die beste ihres Jahrganges und hart wie Kruppstahl. Sie kleidete sich stehts in engen Bustiers und Blüschen, damit ihre große Oberweite gut zur Geltung kommt. Ja, das wurde von der Autorin so betont - genauso wie ihre wunderschönen langen Haare, mit denen sie ständig beschäftigt war. Nun, diese junge Frau war also dazu ausgebildet fiese Vampire zu jagen, so eine Art nachtaktive SEK-Polizistin mit spitzen Zähnen. Komischerweise hat sie das ganze Buch über NICHTS gemacht. Im Gegenteil, ständig musste sie von den Kerlen ihrer Truppe gerettet werden, hatte Angst, heulte und bekam vom Obervampir sogar Hausarrest. Die Krönung war das Ende, wo sie sich dem Endboss gegenüberstellen musste und dann zusammenklappte, nichts mehr mitbekam und Wochen später im Krankenhaus aufwachte, wo ihr dann erzählt wurde, wie hart sie doch gekämpft hatte ... aber am Ende hat dann doch ihr Kerl den Typie besiegt.

Ich habe der Autorin mehrere Male vorgeschlagen, doch aus der Protagonistin eine Sekretärin oder Buchhalterin zu machen, denn schließlich schien sie totale Panik im Kampf zu haben. Ich erklärte der Autorin, dass man von einer derart ausgebildeten Kämpferin doch erwartet, dass sie im Kampf weiß, was sie da zu tun hat. Dies wusste ihre Protagonistin allerdings nicht. Jedoch weigerte sich die Autorin und bestand auf ihre Super-Vampirin. Also schlug ich ihr vor, der Frau ein traumatisches Erlebnis anzudichten, damit die Handlungsunfähigkeit im Kampf erklärt werden kann. Aber auch das wollte die Autorin nicht. Also, wir hatten hier eine top ausgebildete Kriegerin, die nicht kämpfen konnte. Dafür war sie der Schwarm aller Männer, die sie ständig retten mussten.

Finde den Fehler

Trauriger Weise finden sich viele dieser weiblichen Gestalten in Büchern wieder. Ihnen werden Fähigkeiten gegeben, die sie dann doch nicht nutzen dürfen. Lauter Kriegerinnen, Intelligenzbestien, Superfrauen, die sich dann doch vom Kerl zeigen lassen müssen, wie es geht. Die Frauen in der Fantasy sollen starke Charaktere sein. Sie können Bösewichte mit einem Schlag töten, kennen jede Strategie des Gegners und sind ihnen immer einen Schritt voraus, sie sind weise, wissen alles und können alles. Dennoch zeigen sie diese Fähigkeiten in der Geschichte nicht. Woran liegt das wohl?

Es liegt meist daran, dass sich die AutorIn zwar Gedanken darum gemacht hat, was die Protagonistin alles kann, aber keine Sekunde überlegt hat, wie sie das umsetzen kann und ob das für die Geschichte überhaupt relevant ist. Das Charakterdesign ist nicht bis zum Ende durchdacht. Wenn man sich schon eine solche Person zurechtbastelt, dann muss sie auch dementsprechend handeln. Man schafft ja auch keine Bäckerin, die noch nie einen Kuchen gebacken hat und sich das erst zeigen lassen muss. Die ProtagonistInnen in einer Geschichte sollten von den Fähigkeiten und vom Charakter her auch in die Story passen. Aber das ist ja sowieso eine wichtige Voraussetzung beim Schreiben. Man kann keine super Kartenleserin erschaffen und dann taucht nirgends in der Geschichte eine Karte auf.


Fazit

Es ist immer noch so, dass selbst starke Frauen nicht stark sein dürfen. Ihnen werden Fähigkeiten angedichtet, die sie nicht einsetzen dürfen. Den achso starken Frauen in der Fantasy wird mit solchen Protagonistinnen alles abgesprochen, was sie eigentlich darstellen sollen. Sie sollen super Kriegerinnen sein, ihre Taten auf dem Schlachtfeld werden aber kaum gewertet. Sie müssen sich trotzdem noch retten lassen, haben trotzdem immer noch Angst im Dunkeln und machen im Prinzip nichts in den Büchern.


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