... über die Wohnungssuche


Nachdem ich feststellen musste, dass meine schöne, gemütliche Altbau-Wohnung in der Osnabrücker Innenstadt schimmelte, ein Fenster kaputt war und es durch alle Ritzen und Ecken zog, weil sie nicht richtig gedämmt war, musste ich mich notgedrungen auf Wohnungssuche begeben. Wenn ich verheiratet und kinderlos wäre, hätte ich sicher weniger Probleme gehabt, eine passende Bleibe für mich zu finden. Letztendlich habe ich eine Wohnung gefunden, sie ist super und ich bereue nicht, mich aus meinem geliebten Viertel wegbegeben zu haben - auch wenn mich die Sehnsucht trifft, wenn ich in die Nähe komme. Aber bis ich meine Wohnung gefunden hatte, musste ich einige Erfahrungen machen, auf die ich lieber verzichtet hätte.


Insgesamt war ich ein dreiviertel Jahr auf Suche, bis ich den neuen Mietvertrag unterschrieben hatte. Und was mir in der Zeit widerfahren ist, konnte natürlich nur wieder mir passieren - dachte ich. Denn komischer Weise häufen sich die Beschwerden, die Klagen und die Aufreger auf allen möglichen Sozialen Plattformen und sogar ... im Reallife! Das bedeutet: es ist tot-ernst, Mädels!

1. Pfui! Kinder!
Ja, Haustiere sind auch ein Killer ... aber Kinder, hey, das ist wie Pest und Cholera zusammen. Sobald ich auf eine Anzeige anrief und erwähnte, ich hätte zwei Kinder, durfte ich mit den verschiedensten Reaktionen rechnen. Mehrere potentielle Vermieter haben einfach aufgelegt. Andere hüllten sich eine Zeit lang in Schweigen bevor sie mit einer Absage antworteten. Einige fragten nach den Erziehungsmethoden, auf welche Schule sie gingen und ob sie viele Freunde hätten, die dann zu Besuch kommen und Krach machen würden.  Einer unterstellte mir, ich wäre asozial, weil ich alleinerziehend bin.

"Also, Katzen hätten wir ja noch akzeptiert, aber Kinder möchten wir hier eigentlich nicht haben. Die passen nicht in die Hausgemeinschaft."


2. Meine Unterwäsche geht dich nichts an!
Ich habe eine Anzeige bei ebay-Kleinanzeigen geschaltet. Eine Suche nach einer passenden Wohnung für uns, mit Foto von uns dreien, einer netten Beschreibung wer wir so sind und meiner Telefonnummer. Das machen mittlerweile sehr viele Familien. Allerdings erhalten nur wenige Familien Nachrichten von potentiellen Vermietern, in denen nach der Art der Unterwäsche gefragt wird, wo man diese aufhängt und ob man denn Single ist oder einen Freund hat. Dazu werden Fotos von einer Wohnung geschickt, die höchstwahrscheinlich nicht mal existiert. Ich vermute mal stark, dass die Fotos von irgendwelchen Anzeigen zusammengeklaut waren.
Vor allem frage ich mich, was das denn soll! Es gibt eine unüberschaubare Anzahl von einschlägigen Dating-Plattformen, auf denen du sicher eine zufriedenstellendere Antwort bekommen hättest als von mir. Warum hast du es nötig, völlig desinteressierte Wohnungssuchende zu belästigen? Ein Mädel berichtete bei Facebook, sie wäre sogar direkt nach einschlägigen Gefälligkeiten gefragt worden. Im Gegenzug wollte man ihr einen Teil der Miete erlassen. Seid ihr euch wirklich sicher, dass ihr Mieterinnen haben wollt, die sich auf solche faulen Deals einlassen? Wenn die schon darauf eingehen, wer weiß denn, was die noch so alles machen ...



3. Eingrenzung der gewünschten Mieter
Es gibt tatsächlich Vermieter, die schon in der Anzeige genau definieren, welche Art von Mieter sie haben möchten. Ein Ehepaar von 55-65 Jahre, ohne Tiere, ohne Kinder, solvent - für eine 6 Zimmer Wohnung auf 140m², in der locker eine 5-köpfige Familie Platz gehabt hätte. Aber warum sich mit Familien rumschlagen?
Es ist auch völlig irrsinnig, den Beruf des Mietinteressenten zu analysieren und zu prüfen, ob der wohl gut genug ist. Wer sagt euch denn, dass der fesche Staatsanwalt vom Amtsgericht nicht für die nächsten 6 Monate die Zeche prellt, sich gegen euren Willen ein Haustier zulegt und diesen dann auf den Dachboden kacken lässt, weil er zu faul ist, bei Regen das Haus zu verlassen? Und wer sagt euch, dass ihr nicht die ganze Wohnung renovieren lassen könnt, weil das super nette Lehrerehepaar ohne Kinder alles vollgequalmt hat, so dass die Wände gelb geworden sind, und euch nach dem Auszug eine vollgemüllte Wohnung hinterlässt, so dass ihr eine Entrümpelungsfirma engagieren müsst? Asoziales Verhalten hat nichts mit dem Beruf zu tun, sondern mit der Einstellung der Person! +++ Diese Ausführungen beruhen auf wahren Ereignissen.+++

"Können Sie denn überhaupt die Miete bezahlen?" - "Nee, ich dachte, ich könnte im Gegenzug den Rasen mähen. Natürlich kann ich die Miete bezahlen!"


4. Über die Mietinteressenten lästern
Und das auch noch, wenn die Mietinteressentin direkt daneben steht. Das ist nicht besonders fein. Ich kann zwar kein Russisch, aber bei der nächsten Person könntet ihr vielleicht doch mal ins Fettnäpfchen treten, also seid lieber vorsichtig. Vor allem solltet ihr sowas vermeiden, wenn euer männlicher Ehepartner dazu neigt, sich hinterher auch noch zu verplappern.

"Wie viele Personen würden hier denn einziehen?" - "Drei. Nur die Kinder und ich." -"Erwarten Sie kein drittes Kind? Meine Frau fragte vorhin, weil Sie so aussehen." - "Nein, ich bin nur dick."


5. Renovierungsbedürftige Wohnungen anbieten
Also bitte, ja ... ich suche eine Wohnung, in die ich einziehen kann, keine, die ich erst entkernen, neu verputzen, mit einem Boden ausstatten sowie komplett tapezieren und streichen muss. Und wenn man nach Beteiligung des Vermieters fragt, erhält man noch eine patzige Antwort. Sorry, Leute. Ich investiere doch nicht mehrere Hundert - wenn nicht sogar Tausend - Euro, um euch eure Wohnung schick herzurichten, nur um ein Jahr später dann wegen Eigenbedarf rausgeschmissen zu werden. Ich bin stark beleidigt, denn ihr müsst mich tatsächlich für ziemlich dämlich halten. Eine Wohnungsgenossenschaft bot mir tatsächlich 400 Euro, die ich dafür nutzen könnte die komplette Wohnung von 80m² mit einem Boden auszustatten und selbige komplett zu tapezieren und zu streichen. Seid ihr euch sicher, dass ihr mir das überlassen wollt? Bei dieser Summe kann man sich ja ausrechnen, wie qualitativ hochwertig der Boden wäre und wie professionell der verlegt worden wäre. Nur so als Denkanstoß.


Anja hat kein Bett mehr: "Ich fühl mich wie ein Student."
Die Wohnungssuche gestaltet sich immer schwieriger. Hohe Mieten für renovierungsbedürftige Wohnungen. Vermieter, die sich ihre Mieter anhand von fragwürdigen Faktoren aussuchen. Kinder, die nicht erwünscht sind. Viele Leute sind gezwungen aus ihrem Stadtviertel wegzuziehen, weil sie entweder die Mieten dort nicht bezahlen können oder weil es dort keine passenden Wohnungen gibt. Sich in diesen Zeiten auf die Suche nach einer Wohnung zu begeben hat verdammt viel mit Idealismus zu tun. Auf eine Anzeige zur Wohnungssuche, schrieb ein User die Antwort: "Viel Spaß beim Suchen. Wirst du aber hier nicht finden." Das ist mittlerweile Realität und es trifft besonders die, die ohnehin schon belastet sind: Familien jeglicher Art und Personen mit begrenzten finanziellen Mitteln. Das ist nicht nur moralisch und ethisch verwerflich, sondern spaltet die Gesellschaft noch mehr, fördert Ausgrenzung und "Viertel, in die man lieber nicht gehen sollte".

Wohnungssuchende müssen sich in Geduld üben. Aber lasst euch nicht alles gefallen. Wollt ihr wirklich bei einem Vermieter einziehen, der über euren dicken Hintern gelästert hat? Oder der sich vorher naserümpfend über eure Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau geäußert hat? Ganz zu schweigen von den unseriösen Angeboten von "Mieten für bestimmte Gegenleistungen". Sowas dürft ihr dann auch mal getrost an die nächste Polizeidienststelle weiterleiten.

Vielleicht ist es jetzt auch wieder Zeit, sich über alternative Wohnsituationen Gedanken zu machen. Wohngemeinschaften gehen auch gut, wenn man Kinder hat - oder eben keine hat - und auch, wenn man schon aus dem Studium/Ausbildung raus ist. Es muss nicht immer der riesengroße Bauernhof sein, auf dem man in einer Community lebt. Das geht auch in einer Mehr-Zimmer-Wohnung mit Balkon. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit einer lieben Mitbewohnerin gemacht, die sich toll mit meinen Kindern verstanden hat. Das geht also auch.


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