Anja nimmt ab und zu


Ja, was nimmt denn Anja ab und zu? Gewicht!
Dass man zunimmt, merkt man meist erst dann, wenn plötzlich die Hose nicht mehr passt oder die Bluse an der Oberweite spannt. Aufgrund meiner Selbstständigkeit als Schreiberling und der damit verbundenen Neigung, im Sitzen zu arbeiten, habe ich von Februar bis Juni diesen Jahres (also 5 Monate) sage und schreibe 15 Kilo zugenommen. Bis dato halte ich das Gewicht. Ich bin 1,76m groß und bringe zur Zeit 85kg zusammen. Oh mein Gott! So schwer war ich das letzte mal nach der Schwangerschaft. Werde ich jetzt zur Pummelfee? Muss ich auf Diät?



Ich habe den gesamten letzten Winter sehr viel Sport getrieben. Bin jeden Tag eine Stunde lang Laufen gegangen. Gerade im Winter war es wunderschön, wenn man zwischen den Feldern läuft und der gefrorene Raureif auf den Pflanzen glitzert. Wenn der eisige Wind die Wangen kneift und man nicht zu tief einatmen darf, weil sonst die Atemwege durch die eiskalte Luft geschädigt werden könnten, dann fand ich es immer besonders schön. Jeden Tag bin ich gelaufen. Bis Februar.

Beweisfoto: Das war die Anja im November 2016 (mit Sonnenaufgang)

Und ab Februar habe ich gar keinen Sport mehr gemacht. Ich habe mich in die Selbstständigkeit getraut, schreibe wissenschaftliche Texte und belletristische Romane. Ich habe ein Buch veröffentlicht. Ich musste einen Umzug planen, organisieren und durchziehen. Meine Kinder und ich hatten fürchterlich unter meinem alten Vermieter zu leiden und so kam auch noch eine psychische Komponente hinzu. Und jeden Abend habe ich mir vorgenommen, am nächsten Morgen wieder zu laufen. Aber dann kam doch wieder irgendwas dazwischen, was ich erledigen musste. Und weil ich viel unterwegs war, gabs auch keinen Salat zu Mittag, sondern lecker Junkfood zwischendurch. Am Abend dann die Schokolade. Die Basis für 15 Kilogramm war damit gelegt.


Die Anja im Juni 2017 (auf Norderney)



1. Eine derart schnelle Gewichtszunahme ist nicht normal

Das ist wirklich nicht normal! 5 Monate = 15 Kilo? Also bin ich zum Arzt gegangen und hab zunächst mein Blut untersuchen lassen. Es stellte sich aber heraus, dass mit meiner Schilddrüse alles in Ordnung ist. Es hätte ja auch eine Unterfunktion sein können - hätte auch die ständige  Müdigkeit erklärt. Nachdem diese Möglichkeit ausgeschlossen werden konnte, habe ich mich im Netz und im Freundeskreis bei Sportstudenten und Heilpraktikern erkundigt. Es gibt da ein so genanntes Stresshormon, das nennt sich Cortisol. Ja, wusste ich auch schon. Aber dass das sooooo wirkt, das hätte ich nicht gedacht. Tuts aber. Auch psychischer Stress ist eine enorme Belastung für den Körper. Dieser kann durch Sport abgebaut werden. Deshalb wird bei Depressionen auch immer empfohlen, Sport zu treiben. Wenn man aber gerade dann aufhört Sport zu treiben, wenn der Stresspegel am höchsten ist und den Körper nicht nur mit dem neuen Stress konfrontiert, sondern ihn auch noch mit der hart erarbeiteten Verbrennung allein lässt, dann .... 15 Kilogramm.
"Anja, sieh es ein: du brauchst länger, um das wieder runterzukriegen..." (eine befreundete Heilpraktikerin)


Die Frage ist nur: Will ich das eigentlich wieder alles runterkriegen? Und damit kommen wir zu Punkt 2:

2. Ich fand mich mit 70 Kilo schon fett und hässlich

Ich musste feststellen, dass ich ein ganz verschobenes Bild von mir selbst hatte: Ich habe meinen Kleiderschrank ausgeräumt und Kleider aussortiert, die ich verkaufen möchte. Diese waren teilweise selbstgenäht und so brauchte ich keine neuen Tragefotos machen, sondern konnte auf alte zurückgreifen, die ich stolz gemacht hatte, als das Teilchen fertiggenäht war.
Als ich mir dann aber diese Fotos betrachtete, war ich schockiert. Ich sah so dünn aus auf den Bildern. Dabei wusste ich doch, dass ich mich auch mit diesen 70kg für fett gehalten habe und mich hässlich fand.  Das ist verdammt traurig. Ich war schlank, mein Hintern nur halb so groß wie jetzt, und ich fand mich trotzdem fett? Und ich weiß noch, wie ich bei jedem Stückchen Schokolade ein mieses Gewissen hatte. Und jedes Kompliment von außerhalb schmetterte an mir ab, weil ich das nicht ernst nehmen konnte - weil ich doch so fett war.


Dies bringt mich zum dritten Punkt:

3. Andere finden mich schön???

Als ich im Sommer in Kur auf Norderney war und der Kurleiterin mein Gewichtsproblem schilderte, war sie beinahe schockiert:
"Frau Stephan, dass Sie mir hier Probleme mit Ihrem Gewicht erzählen, hätte ich jetzt nicht erwartet."
Was? Wieso nicht? Natürlich. Siehst du denn nicht, dass ich dick bin? Ich dachte zum damaligen Zeitpunkt noch, die sagt das nur, weil in der Kur noch ganz andere Frauen mit "richtigen" Gewichtsproblemen teilgenommen hatten. Aber dann war ich letzte Woche auf einem Kindergartenfest und traf eine sehr liebe Freundin von mir, die so ziemlich die Hälfte von mir ist, auch in der Höhe. Als ich ihr von meiner enormen Gewichtszunahme erzählte und meinte, ich müsste jetzt dringend auf Diät, war sie ganz überrascht:
"Ich habe jetzt WW gemacht und nur an Busen und Po abgenommen, aber am Bauch ist alles hängen geblieben. Bei dir sieht das immer so toll aus, du hast das alles an den richtigen Stellen. Darum hab ich dich immer beneidet, um deine Kurven."
Scherz, oder? Nee, sie meinte das ernst. Ehrlich. Und das war mein Aha-Effekt. Ich habe mich zuhause vor meinen großen Spiegel gestellt und mich mal eingehend betrachtet. Und ohne jetzt arrogant zu klingen: sie hat recht! Ich habe echt schicke Kurven. Aber das muss einem jemand erstmal bewusst machen. Woher soll ich denn sowas wissen?
Ich höre doch nur von allen Seiten, dass ich keine kurzen Hosen mehr tragen soll, weil ich mir das nicht mehr leisten kann. Oder dass ich mich mit dem Kakao mit Sahne mal zurückhalten sollte. Wann ich denn mal wieder Rad fahre und dass ich früher ja fitter war. Ständig werde ich mit irgendwelchen abgemagerten Tanten verglichen, deren Gewichtslevel ich nicht erreichen kann, ohne dabei einen physischen Kollaps zu erleiden. Von den gleichen Leuten hört man übrigens auch die Gehässigkeiten, dass die dünnen Modelle ja alle hässlich wären...



4. Muss ich jetzt überhaupt was tun?

Ja, muss ich. Allerdings nur, um meine schönen Kurven zu behalten.
Abends wieder Salat statt Kohlenhydrate. Über den Tag weniger Schokolade. Und ein bisschen Sport. Allerdings nicht zwingend zum Abnehmen, sondern um meine Rückenbeschwerden loszuwerden, meine Kondition zu verbessern und den Muskel im Hintern zu lockern, der mir ständig verspannt. Deshalb habe ich mich auch im Fitnessstudio angemeldet, um dort auf dem Laufband zu rennen... also momentan sieht das eher noch nach schnellem ... naja, nach Gehen aus.
Und ich mache wieder Yoga und Pilates. Nach meiner ersten Stunde konnte ich mich kaum bewegen und hatte zwei Tage Muskelkater. Jetzt weiß ich auch, was mir gefehlt hat.


Fazit: Ich bin keine Pummelfee! Ich bin eine kurvige, wunderschöne, extraordinäre Frau.






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