Reisen: Autobahn vs. Landstraße

Auf dem Weg in die Ferien lotste mich mein Navi über die Autobahnen - klar: der schnellste Weg. Wir waren auf dem Weg in den Norden, wollten an Hamburg vorbei Richtung Lübeck, und wir waren bis dahin super durchgekommen. Das Navi zeigte uns nur noch 1 h bis zum Ziel an. Yeah! Und dann kam der Stau. Ich fuhr die nächste Ausfahrt ab und landete in einer Baustelle. NEIIIIN! Wie wild tippte ich auf dem Navi herum, auf der Suche nach einer neuen Route. Und so fuhren wir über die Landstraße...




Zunächst war ich froh, dass ich erstmal aus dem Stau heraus war, dann warf ich einen Blick auf mein Navi und schlug mit dem Kopf auf mein Lenkrad: 2 h 30 min bis zum Ziel. Na super! Das war ja mal die beste Idee, die ich je hatte. 

Während ich noch vor mich hin grummelte, fuhren wir über die Dörfer mit alten Bauernhäusern, Blumenkübeln vor der Einfahrt und Hühnern auf den Höfen. Wir fuhren durch schattige Alleen. Ich kurbelte die Fenster herunter, fuhr die vorgeschriebenen 70kmh - manchmal auch weniger - und betrachtete die Felder, die Blumen am Straßenrand und die Kühe auf den Wiesen. Das Radio spielte Lieder aus den 90ern, zu denen ich mitsingen konnte. Die Kindern hörten auf zu meckern, ihnen wäre heiß, und entdecken an jeder Ecke etwas neues. Ich erzählte Geschichten aus meiner Kindheit auf dem Dorf meiner Großeltern. In den Parkbuchten und den Höfen wurden Eier, Honig und Marmeladen verschiedenster Sorten angeboten. 

Wir kamen mit knapp 2 h Verspätung am Ziel an. Aber wen störte das denn? Wir hatten keinen Termin, einchecken konnten wir zu jeder Zeit. Und dass wir ab und an mal einen Trecker vor uns hatten, störte uns nicht im Geringsten. Dafür waren wir entspannt und gut gelaunt, als wir ankamen. Außerdem wir hatten genug Eier für Pfannkuchen am Abend eingekauft.

Wäre die Autobahn frei gewesen, wären wir mit Sicherheit 2 Stunden eher dort angekommen. Jedoch wären wir durchgebraten und schlecht gelaunt gewesen. Mein Auto hat keine Klimaanlage und auf der Autobahn brennt mir die Sonne direkt aufs Dach, so dass ich mich nach relativ kurzer Zeit fühle, wie ein Brathähnchen. Dazu kommt der Stresspegel der Kinder, die nach frischer Luft jammern, mehr zu trinken, und an den ungünstigsten Stellen dringendst auf die Toilette müssen, gerade dann, wenn der nächste Rastplatz noch 10km entfernt ist. Auch Kinder haben eine Frustrationsgrenze und die wird bei langen Autobahnfahrten hart strapaziert. Irgendwann fangen sie an sich gegenseitig zu ärgern und dann hört man nur noch ein heftiges Gekeife aus Richtung der Rücksitze. Das dies nicht unbedingt zu einer entspannten Atmosphäre beiträgt, leuchtet wohl ein.

Ich frage mich, warum ich mir das ausgerechnet im Urlaub antun muss. Während ich gemütlich über die Landstraßen tuckern könnte, schlage ich mich über die Autobahnen durch und lass mir von Raser, LKWs, Baustellen, Staus und jammernde Kinder die Laune verderben. Gerade im Urlaub sollte ich doch eigentlich entspannt und gemütlich sein und mich diesem Stress nicht aussetzen. Ist doch egal, wann wir am Ziel ankommen - uns hetzt doch niemand. Wir haben schließlich Urlaub. Vielleicht sollte ich demnächst einfach mal über die Landstraße fahren, dafür aber eine längere Pause einplanen. Dann könnte es auch endlich mit einem Ziel weiter entfernt als 4 h Umkreis klappen. Der Weg ist das Ziel, heißt es doch.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Anja liest: Robert J. Sternberg - Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt

Anja liest: Stefan Wollschläger - Friesenklinik

Anja liest: Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr