Anja liest: Alan Bennett - Die souveräne Leserin

Ein wahrhaft niedliches Buch. Ich habe es auf einem anderen Blog entdeckt und als ich so beim Buchhändler meiner Wahl herumstreifte, entdeckte ich es auf einem Aktionstisch über die Queen. Das Büchlein umfasst schlanke 124 Seiten, auf denen den Queen das Lesen für sich entdeckt.


Eines schönen Tages auf Windsor, geht die Queen mit ihren Hunden spazieren und entdeckt den Bücherbus der Stadtbibliothek auf ihrem Grundstück. Sie fühlt sich genötigt hineinzugehen und sich mit dem Busfahrer zu unterhalten, wobei der einzige Leser in diesem Bus der Küchenjunge ist. Die Queen hat bis dato noch nie gelesen. Naja, jedenfalls nicht solche Bücher. 

"Das war ein Hobby, und ihr Beruf brachte es mit sich keine Hobbys zu haben. [...] Nein. Hobbys bedeuteten Vorlieben, und Vorlieben mussten vermieden werden; sie schlossen bestimmte Menschen aus. Man hatte keine Vorlieben zu haben."

Das erste Buch, welches sich die Queen ausleiht ist Ivy Compton-Burnett, dass es 1989 das letzte mal geschafft hatte, ausgeliehen zu werden. Dadurch wird ihr Interesse für die Literatur geweckt. Sie stellt den Küchenjungen als persönlichen Leseberater ein und entwickelt merkwürdige Gewohnheiten. Es gibt Tage, da bleibt sie im Bett, sie lädt andere Leute als sonst zur Teegesellschaft und versucht vergebens, sich mit Staatsoberhäuptern über Literatur zu unterhalten. Dies missfällt dem Hofe sehr. Mit allen Mitteln versuchen sie die neue Leidenschaft der Queen zu unterbinden, müssen jedoch eingestehen, dass sie machtlos sind. Die Queen ist schlauer, als sie gedacht hatten. Bald jedoch stellt sie fest, dass ihr das Lesen allein nicht mehr reicht.

Alan Bennett ist bekannt für seine süffisanten Geschichten. In Großbritannien ist er einer der populärsten Dramatiker, der neben Theaterstücken, auch Arbeiten für Fernsehen und Rundfunk geschrieben hat. Auch dieses Buch ist ein witziges Porträt der berühmten Leserin. Es ist hintergründig und vielschichtig. Hier geht es im Grunde darum, was das Lesen mit einem anstellt, wenn man beginnt nachzudenken und zu hinterfragen. Wenn man irgendwann gelernt hat, zwischen den Zeilen zu lesen und die Zusammenhänge zu verstehen. Dabei ist Bennett so klug und satirisch, dass man stellenweise beinahe Lachen muss. Dies ist sowohl eine Hommage an die Queen, als auch eine Liebeserklärung an das Lesen.

"Man legt sein Leben nicht in seine Bücher. Man findet es in ihnen." (S. 97)
"Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen." (S. 34)

Ein Buch, dass man jedem Leser ans Herz legen möchte.

Kommentare

  1. Hallo,

    es freut mich, dass noch jemandem dieses Bücherlein so gefällt. Schon der Einband ist so edel ...

    Ganz liebe Grüße
    Marie

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