Anja liest: Kinderbücher aus dem Bohem Verlag


Auf der Leipziger Buchmesse habe ich einen kleinen Stand mit ganz besonderen Kinderbüchern entdeckt. Der Bohem Verlag aus der Schweiz bringt Kinderbücher mit in alltäglichem Inhalt heraus. Es werden Themen angesprochen, die man so in normalen Kinderbüchern nicht findet. Genau das hat mich an diesen Geschichten so fasziniert. Dazu zeigen die Bilder ebenfalls besondere Motive und Farben. Der Einband ist aufwendig gestaltet. Die Bücher sind sowohl vom Inhalt, als auch von der Aufmachung her für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet.
Annabel Lammers beriet mich sehr gut und zeigte mir ihrer Schätze, woraufhin ich gleich ein Paar mitnahm - und ich bin mir sicher, sie werden sich in Zukunft vermehren.


Ich habe die Bücher "Schnip" und "Die Geschichtenmaschine" gekauft. Dabei habe ich aber auch noch einige andere Bücher hineingeschnuppert. 

In "Schnip" geht es um einen Vogel, der nicht fliegen kann und deshalb von den anderen Vögeln gehänselt wird. Er kann auch nicht mit in den Süden fliegen, sondern bleibt im Wald. Während des Winters lernt er andere Tiere kennen und hilft ihnen, mit seinen anderen Talenten. Deshalb geben seine neuen Freunde zum Frühlingsanfang für ihn ein kleines Fest zum Dank für seine Hilfe. Als die Vögel wieder zurückkehren erzählt ihnen Schnip ganz aufgeregt von seinen Erlebnissen... und fliegt davon...


Es ist eine Geschichte für schüchterne Kinder, oder Situationen vor denen Kinder einfach Angst haben. Zum Beispiel, vom 3m-Turm springen oder andere Sachen. Die Geschichte macht klar, dass sich das Kind auf all seine vielen anderen Talente verlassen soll, so wird es stark. Dann geht die Angst von allein weg und es kann die Situation von alleine meistern. Die Bilder sind nicht knallbunt und überfüllt, sondern in gedeckten Farben gehalten, die Seiten sind gut überschaubar.

In "Die Geschichtenmaschine" entdeckt ein kleiner Junge eine Maschine, mit der er zunächst nichts anzufangen weiß. (Es ist eine Schreibmaschine). Doch dann entdeckt er, dass er damit Geschichten erzählen kann. Aus den Buchstaben werden ganz besondere und tolle Geschichten. Der kleine Junge kann gar nicht mehr aufhören die Maschine zu benutzen, doch dann geht sie kaputt. Erst ist der Junge sehr traurig, dann aber entdeckt der, dass nicht die Maschine all die Geschichten erzählt hat, sondern er. Und so setzt er sich daran und malt seine eigenen Geschichten auf.


Diese Geschichte hat nur wenig Text, dafür umso bedeutungsvolle Bilder. Man sieht, wie der kleine Junge all seine Gedanken formt und mithilfe der Maschine auf Papier bringt. Die Geschichte macht Kinder darauf aufmerksam, auf ihre eigene Fantasie zu hören und sie "sprechen" zu lassen. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich, da die eigenen Gedanken oftmals durch vorgefertigte Schablonen in Fernsehen und Spielen eingeschränkt werden. Es ist eine schöne Geschichte. Die Bilder werden oft von den Kindern angesehen und auf jeder Seite entdecken sie etwas neues. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Bilder, die der Junge mit der Maschine malt, aus lauter Buchstaben und Zeichen zusammengesetzt sind.

Ich habe mir weitere Bücher des Verlags angesehen. In "Der Anfang vom Ende" geht es um den Krieg, aus Kinderaugen. Das Haus wird zerstört und so muss die Familie im Auto schlafen. Irgendwann haben sie keine Kleider mehr und nur noch wenig zu essen. Trotzdem sehen die Eltern immer die positive Seite. Alle Nachbarn und Freunde schlafen jetzt in Autos und den Kindern wird manchmal Angst. Bis sich ein Kind die Murmeln nimmt und damit spielt. Das ist der Anfang vom Ende...

Ich habe mir außerdem das Buch "Marie und die Dinge des Lebens" angesehen. Dabei kamen mir beinahe die Tränen, weil es so wunderschön erzählt ist. Marie hat eine Oma, die sie sehr lieb hat, doch die erleidet einen Schlaganfall und muss seit dem im Heim wohnen. Marie kann gar nicht verstehen, warum sich ihre Oma so sehr verändert hat und versucht herauszufinden, was sie hat. Dieses Buch kann auch sehr gut an Erwachsene verschenkt werden, denen ein naher Mensch einen Schlaganfall erlitten hat. Weder Kinder noch Erwachsene wissen oftmals, wie sie mit dieser Situation umgehen müssen. Diese Geschichte macht Mut, sich von einer anderen Seite diesem Thema anzunähern und nach vorn zu sehen.

Ich habe mir noch viele andere Bücher dieses Verlags angesehen. Zum Beispiel "Die Schöne und das Biest", das leider auf der Messe schon vergriffen war, und das mich mit seinen kunstvollen Bildern gefesselt hat. Oder "Lulu & Pip", eine Fotogeschichte um ein kleines Mädchen auf Abenteuerreise.

Ich kann euch die Bücher dieses Verlags wirklich ans Herz legen. Sie sind liebevoll gestaltet und die Geschichten mit großer Sorgfalt ausgewählt. Die Bücher sind alle in Deutschland erhältlich.






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