Anja liest: auf der Leipziger Buchmesse 2016


Endlich war ich da! Seit Jahren will ich auf die Leipziger Buchmesse und jedes Mal kam etwas dazwischen. Aber dieses Jahr hat es geklappt und ich darf stolz verkünden, dass ich einer der 95.000 Rekordbesucher war. Das ist so rekordverdächtig, dass niemand damit gerechnet hat und es ziemlich schnell keine Messepläne mehr gab. 

Ich hab mir vorher einen ganz genauen Plan gemacht, sämtliche Veranstaltungen, die mich interessierten in eine schicke Excel-Matrix eingebaut... und am Ende dann doch nur die Hälfte von dem geschafft. Dafür habe ich mir alle Hallen angesehen. Vorher habe ich mir lauter Informationen von anderen erfahreneren Bloggern geholt und war gut ausgerüstet: flache Schuhe, keine Jacke, (fast) leerer Rucksack, eine Getränkeflasche, Happen zu Essen, Geldbörse, Smartphone. Und mein Excel-Plan. 


Ich habe mit Halle 5 angefangen. Dort waren die Verlage vertreten, hauptsächlich für Autoren interessant, und dort fanden auch Vorträge über Selfpublishing und drumherum statt.
Ich hatte in meiner Tabelle zwei Veranstaltungen gleichzeitig aufgeschrieben, weil ich mir nicht sicher war, welches Thema mir mehr bringen würde.
Am Stand von BoD habe ich dann kurz zugehört, weil es eigentlich um Veröffentlichung bei dieser Plattform gehen sollte. Aber die Dame war so furchtbar und las eigentlich nur von der Website vor: "Wenn Sie dieses Paket nehmen, dann ist das und dies da enthalten und es kostet soundso viel. Wenn Sie das andere Paket wählen, dann..." Sorry, aber lesen kann ich selbst. Das steht alles auf der Seite. 

Also hab ich mich verdrückt und dann ein paar Meter weiter einem sehr interessanten Vortrag über Lektorate gelauscht. Dabei wurden die Zuhörer einbezogen und auf Fragen während des Vortrags eingegangen. Die Lektorin Susanne Pavlovic, die Textehexe, stellte zum einen den Beruf des Lektors vor, sowie die Leistungen, die ein Lektor vollbringt und warum die Nutzung dieser Dienstleistung von Nöten ist. Sie hatte eine sehr ehrliche und herzliche Art, die mir sehr sympathisch war. Zudem machte sie einen sehr kompetenten Eindruck auf mich. Sehr gut. 

Danach durfte ich mich eine Weile in Halle 3 umschauen, denn ich stand eine halbe Stunde in der Schlange für die Signierstunde von Sebastian Fitzek. Dabei war das Autogramm gar nicht für mich, sondern für meine Mutter. Die bezahlt mir nämlich ziemlich oft meine Knöllchen fürs Scheiße-Parken. Dafür bekommt sie von mir immer Bücher zur Entschädigung geschenkt - und davon hab ich ihr eins von ihrem Lieblingsautoren signieren lassen. Herr Fitzek war total nett. Bisher hab ich keins seiner Bücher gelesen, da mir diese zu gruselig sind. Aber da er jetzt so nett war, zu seinen Fans, überlege ich ernsthaft doch noch mal einen Anlauf zu versuchen... mal sehen... Meine Mutter bedankt sich jedenfalls sehr für das Autogramm.

Ich habe in der Halle auch den Stand einer sehr tollen Grafikerin entdeckt, von der ich auch gleich einen schönen Druck erworben habe. Die Künstlerin Renate von Charlottenburg zeichnete mein Lieblingsmotiv für die Edition "Grimms Märchen neu gedeutet". Meine Rapunzel schwingt sich in luftigen Höhen der Weisheit, und hält sich dafür am Barte eines alten Weisen fest.

Außerdem war in Halle 3 auch ein besonderer Bereich der Antiquariatsmesse. Hier sah es komplett anders aus, als auf dem Rest des Geländes. Die Bücher waren in Holzregale gestellt, womit auch gleichzeitig der Bereich abgetrennt war. Um in diesen Bereich zu gelangen, musste man seine Tasche und Jacke abgeben. Dort wurden einige sehr wertvolle Bücher ausgestellt und vorgeführt. Das war sehr beeindruckend.

Danach war ich in Halle 4 --- ich hatte mich verlaufen... Ja, das passiert. Deshalb wäre ein Messeplan auch echt vorteilhaft gewesen. Das war die Halle für internationale Literatur - und es war vergleichsweise wenig los. Aber eigentlich wollte ich ja ganz wo anders hin, weshalb ich mich ziemlich schnell in eine andere Richtig in Bewegung setzte.

Eine ganz andere Stimmung herrschte in Halle 1 - der Manga-Halle. Wo es in den anderen Hallen sehr gesittet zuging, die Stände fast alle gleich aussahen und die Leute dort teilweise ziemlich verknöchert waren, war hier alles anders. Es war laut - ja, vor allem laut ... und bunt. Es herrschte eine echt lockere Stimmung. Besonders bei der Bühne war es sehr ausgelassen. Nahezu alle Leute in "Schale geworfen", mit der sie sich zum Teil unheimlich viel Mühe gegeben haben. Mir hat es echt gut gefallen.

Dann war ich wieder in Halle 5. Dort stellten sich die Hochschulen vor, die buch-bezogene Studiengänge anbieten, wie Buchwissenschaft, Verlagswesen oder Bibliothekswissenschaft. Die Studenten habe ihre Studiengänge vorgestellt. Wer sich dafür interessiert, seine Liebe zum Buch zum Beruf zu machen, der darf sich gern auf den Seiten der HTWK erkundigen. Hier habe ich ein Spiel gewonnen und durfte mir ein Blind-Date-Buch aussuchen. Ich wählte "Was geschah im September ´73". Ich bin gespannt, was dahinter steckt.

Außerdem fand in dieser Halle ein Poetry Slam statt, den ich sehr cool fand. Laander Caruso und Jan-Hendrik Heyne aus Magdeburg haben mich wunderbar unterhalten.

Danach war ich in Halle 2. Für den Rest des Tages: Kinderbücher. Hier hat es mir eigentlich am besten gefallen - deshalb bin ich auch so lange geblieben. Die Halle war sehr freundlich gestaltet, viele Farben, ein gemütliches Familiencafé, die Verlage, die sich dort präsentierten, waren längst nicht so abgehoben, wie in Halle 5. Hier habe ich mich wirklich wohl gefühlt. 

Ich habe hier einen ganz tollen Verlag entdeckt, der wunderbare Kinderbücher herausgibt. Der Bohem-Verlag bringt Kinderbücher mit besonderem Inhalt und dementsprechender außergewöhnlicher Aufmachung heraus. Hier habe ich mir zwei Bücher gekauft und am selben Abend noch den Mäusen vorgelesen. Sie waren begeistert.



Außerdem habe ich ein sehr cooles Projekt für Kindergärten kennengelernt. Der Freundeskreis Buchkinder e.V. Leipzig gibt Kindergartenkindern die Gelegenheit ihr eigenes Buch zu "schreiben". Dabei schreiben sie tatsächlich, mit Hilfe einer Lauttabelle, ihre Geschichten selbst auf. Dabei kommen dann ganz super lustige Texte heraus. Und es macht die Kinder mega stolz, ihre eigene Geschichte zu schreiben.

Schade fand ich nur, dass der Europa-Verlag keine Poster oder andere Fanartikel von den ??? hatten - oder sie waren bereits alle vergriffen. Bücher haben wir noch genug zu lesen, aber wir hätten gern ein bissl was besonderes gehabt (allerdings nicht gleich eine riesige Detektiv-Box). War echt schade! 

Ich denke über die Kinderbücher, die ich dort erworben habe, werde ich noch hier auf meinem Blog berichten. Vielleicht wäre eine neue Kategorie nötig...

Mir hat es auf der Leipziger Buchmesse wirklich gefallen. Es war mega anstrengend - aber mega cool.  Leider war ich nur einen einzigen Tag dort, aber ich habe die Zeit genutzt und mich mit total vielen tollen Leuten unterhalten. Das muss ich sowohl für die Verlagsvertreter, als auch für die Besucher betonen. Das Völkchen der "Lesenden" ist wirklich nett und zugänglich. 
Für mich also durchaus ein gelungenes Event. Ich würde mir nächstes Mal gern mehrere Tage Zeit nehmen, um das Terrain zu erkunden. 









Kommentare: