Paris: Les Catacombes - das Reich der Toten

Paris ist auch von unten schön. 

Die alten Steinbrüche unterhalb Paris wurden früher nicht nur als Steinlieferant genutzt, sondern auch als Aufbewahrungsstätte für die Gebeine Verstorbener. Gerade in den Zeiten der Epidemien und schlechter medizinischer Versorgung waren die Friedhöfe oft überbelegt, so das mehrere Verstorbene ein Grab teilen mussten. Daher boten sich die Steinbrüche zur Lagerung der Gebeine an. Bis ins 19 Jh. wurden die Gebeine von Friedhöfen zur Lagerung in die Steinbrüche gebracht.

Heute ist ein kleiner Teil des unterirdischen Labyrinths der Steinbrüche für Touristen zugänglich gemacht. Der Rest, der eingestürzten Gänge bleibt den Cataphiles vorbehalten, die (illegal) durch die Gänge streifen und die Untergrund erkunden.



Man erreicht die Katakomben am besten mit der Metro, die lilafarbende Linie, und steigt an der Station Denfert-Rochereau aus. Am Platz befindet sich eine Kirche, hinter der direkt ein kleines grünes Häuschen steht, worin sich der Eingang zu den Katakomben befindet. Eigentlich könnt ihr das gar nicht verfehlen, da sich schon vor der Öffnungszeit eine Schlange von nicht zu verachtender Länge gebildet hat. Kein Scherz: ich war pünktlich, genau zur Öffnungszeit um 10:00 Uhr, dort und musste 3h warten. Ich habe gehört, dass man besser nachmittags kommen soll, da soll man nur 1h warten müssen. 
Die Wartezeit wird verkürzt, wenn man sich mit den anderen Wartenden unterhält. Falls es regnet, und ihr habt natürlich keinen Regenschirm dabei, braucht ihr euch keine Sorgen zu machen: die Pariser Straßenverkäufer haben das Potenzial der Warteschlange entdeckt und werden euch gern mit Regenschirmen für 1Euro versorgen. Das gleiche gilt für Wasser in Flaschen. Der Mangel an Gebrauchsgütern wird schnell ausgeglichen.

Der Eintritt kostet pro Nase 10Euro - wie überall in den Museen in Paris. Kinder unter 14 Jahre werden nur in Begleitung eines Erwachsenen in die Katakomben gelassen. Aus Sicherheitsgründen werden immer nur 200 Leute gleichzeitig in den Untergrund gelassen, deshalb dauert es auch so lange. 

Ist man endlich dran, muss man tief unter die Erde. Bevor man sich aber die Toten anschauen kann, kann man sich in einem kleinen Raum über die Geschichte der Katakomben informieren.

Dann gehts los: Es geht durch sehr enge Gänge, die verdammt feucht sind (wasserdichtes Schuhwerk ist von Vorteil). Für Leute mit Raumangst kann das schon etwas grenzwertig werden, ebenso große Menschen ab 1,85m Höhe, denn die Decken sind recht niedrig. Damals waren die Leute eben noch nicht so groß. Die Temperatur sinkt auf eine recht unangenehme 14°C. Im Winter ist das recht warm, im Sommer kann es jedoch recht kalt werden - nehmt euch eine Jacke mit und ggf. noch eine Leggings.



Zunächst wird es erstmal nicht wirklich spannend, weil man ziemlich viele lange Gänge entlang wandern muss. Das erste Spannende, was man zu sehen bekommt, ist diese Abbildung aus Stein:


Das ist ein detailgetreues Abbild der Stadt Port Maó auf den Balearen, auf denen ihr Erschaffer Décure, während des Krieges als Soldat stationiert war.Wirklich sehr schön anzusehen. Es folgen mehrere Gänge und Räume, bis mann endlich ins Reich der Toten gelangt.



Wie ein schönes Strickmuster liegen hier die Gebeine der Toten aufstapelt an der Seite.
Es ist absolut nicht gruselig. Ganz im Gegenteil. Man sieht, wieviel Respekt den Toten hier immer noch entgegengebracht wird. Das war nicht immer so.



Verlaufen könnt ihr euch definitiv nicht. Nicht nur, dass ihr eigentlich nur einen einzigen Gang lang geht, dieser ist auch noch mit Pfeilen gespickt, denen man folgen muss.



Und dann ist nach relativ kurzer Zeit auch schon das Reich der Toten beendet und ihr könnt euch an den Aufstieg machen. Der ist ziemlich anstrengend.


Die Katakomben sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Es ist nicht so gruselig, wie man sich das vorstellt. Das Licht ist durchweg dezent gehalten. Die Leute flüstern hier, wie auf einem Friedhof, so kann man sich besser auf die Situation einlassen. 


Kommentare

  1. Ein schaurig-gruseliger schöner Bericht ;) Ich wusste zwar, dass es in Paris Katakomben gibt, aber ich wusste nicht, dass sie so schön sind. Beim nächsten Besuch im Paris weiß ich, was ganz oben auf der Liste steht.
    Liebe Grüße
    Maria

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