Anja liest: Pascale Hugues - Marthe und Mathilde


Ich habe durch Zufall dieses Buch gefunden und finde, dass es viel zu wenig bekannt ist. Denn es beinhaltet eine ganz wunderbare Geschichte über eine ganz besondere Freundschaft.


Marthe und Mathilde lernen sich als Kinder kennen, weil ihre Eltern gemeinsam in einem Haus wohnen, in der elsässischen Kleinstadt Colmar. Beide sind 1902 geboren. Mathilde am 20. Februar, Marthe am 20. September. Beide sind im Jahr 2001 gestorben, mit nur 9 Wochen Abstand. So ähnlich sich die beiden sind, so unterschiedlich sind sie. Und als der Krieg Einzug hält und sie getrennt werden, halten sie doch zusammen, schreiben sich Briefe, brauchen einander. Sobald der Krieg vorbei ist, sind sie auch schon wieder vereint, beide verwitwet. Marthe mit einem Sohn, Mathilde mit einer Tochter, beide im selben Jahr geboren, mit 16 Tagen Abstand. Dass diese beiden Kinder tatsächlich heiraten und Eltern der Autorin sind, ist ja schon beinahe vorprogrammiert bei dieser Anhäufung von Zufällen.
Es ist schon fast kurios, wie sich alles derart gleicht. Beide Frauen haben die selbe Geschichte, die sie miteinander teilen und die sie verbindet. Die Autorin schreibt klar und schnörkellos. Stellt ihre beiden Großmütter mit ihren Eigenheiten liebevoll dar.

"Ich bin Elsässerin, und man lasse mich in Ruhe mit diesen ganzen Grenzgeschichten!" hatte sie verkündet, als ich herauszufinden versuchte, ob sie sich eher als Deutsche oder Französin fühlte. Marthe stellte sich keine unnützen Fragen. War sie traurig, hörte sie sich auf ihrem riesigen Pathé-Marconi-Plattenspieler hintereinander Maurice Chevalier und Tiroler Jodler an."

Die Autorin beschreibt die Freundschaft der beiden Frauen, sowie das Leben durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch. Dadurch beleuchtet außerdem die geschichtlichen Hintergründe und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung - besonders der Elsässischen. 

"Als ich ihm meine Berliner Adresse diktiere, zuckte der Pfarrer der Pfarrei Saint Joseph zusammen: "Sie leben bei den Roten, meine Tochter!" Er schaute mich merkwürdig an. Er nahm mich bei der Hand, und wir sagten im stillen Pfarrhaus gemeinsam das Vaterunser auf."

Sie zitiert dabei aus Briefen und Posesiealben, erzählt Anekdötchen, Reime und Verse. Außerdem finden sich in dem Buch Fotografien der beiden Freundinnen. Das ganze Buch ist durchweg positiv und unterschwellig witzig. Teilweise musste ich laut über den Wortwitz der Großmütter lachen.

Eine wirklich ganz zauberhafte Geschichte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen