Anja liest: Cornelia Funke - Spiegelwelt (Reckless)

Ich möchte hier die Spiegelwelt-Romane von Cornelia Funke vorstellen. Da die Bücher ineinander greifen und aufeinander aufbauen, möchte ich nicht jedes einzelne Buch vorstellen. Vielmehr möchte ich euch neugierig auf die Spiegelwelt machen. Und ich hoffe, das gelingt mir auch.



Zunächst die Eckdaten. Die Spiegelwelt-Trilogie besteht aus den folgenden Büchern:

- Steinernes Fleisch
- Lebendige Schatten
- Das goldende Garn

Jeder Band umfasst ungefähr 400 Seiten (mal mehr, mal weniger). Die Altersangabe ab 13 Jahre hat seinen Grund.


Zum Inhalt:

Die Brüder Jakob und Will leben zusammen in einem alten Stadthaus, mit vielen Reliefs und Stuck an den Häuserwänden. Ihre Mutter ist vor Kummer gestorben, weil der Vater der Kinder vor Jahren spurlos verschwand. Was blieb, war sein altes Arbeitszimmer, in das der junge Jakob sich oft zurückzieht. Eines Tages entdeckt er dabei einen alten Spiegel, durch den er in eine andere Welt gelangt. Eine Art Märchenwelt, die jedoch so real ist, wie die Welt aus der er kam. Er hält diese Welt vor seinem Bruder geheim, da er sie für zu gefährlich hält. Doch dieser folgt ihm viele Jahre später durch den Spiegel. 

Die Welt hinter dem Spiegel ist märchenhaft und grausam zugleich. Cornelia Funke nimmt Elemente der Grimm-Märchen und blickt hinter die Fassade der Kindermärchen. Hinter jeder Geschichte steckt eine Wahrheit. Wie zum Beispiel hinter dem Lebkuchenhaus bei Hänsel und Gretel. In der Spiegelwelt gibt es diese Lebkuchenhäuser auch. Sie gehören den Kinderfresserinnen, bösen Hexen, die damit kleine Kinder anlocken wollen, um sie dann wahrhaftig zu verspeisen. Der gläserne Schuh von Aschenputtel, die goldene Kugel, das Haar von Rapunzel sind in dieser Welt Artefakte mit besonderen Kräften und eine begehrte Handelsware. Jakob verdient sich als Schatzsucher mit diesen Artefakten eine goldene Nase und ist weit bekannt. Das Haar von Rapunzel zum Beispiel kann sich in das dickste Seil verwandeln, wenn man es zwischen den Fingern reibt; es reißt nie. Jakob trägt ein Tuch in seiner Tasche, welches Goldstücke ausspuckt, sobald er es reibt. Deshalb geht ihm auch nie das Geld aus. In jedem Land gibt es andere Wesen; in Russland gibt es Babajagas, in Afrika Derwische.
Auf seine Schatzsuchen geht er nie allein. Fuchs, eine Gestaltwandlerin, folgt ihm auf Schritt und Tritt, schützt ihn vor Gefahren und hat ihm schon so manches mal das Leben gerettet. Jakob ist nicht nur auf der Suche nach Artefakten, sonder hauptsächlich versucht er seinen Vater zu finden.
Aber auch in der Spiegelwelt geht es gefährlich zu. Das Volk der Goyl (Gargoyle, Steinwesen) führen Krieg gegen die Menschen, die sie Jahrhunderte unterdrückt haben. Der Anführer wird von der Dunklen Fee begleitet und beraten. Feen sollten sich nicht verlieben. Unter den Goyl gibt es auch eine Rangordnung, je nachdem aus welchem Stein man geformt wurde. Die Dunkle Fee prophezeit einen Jade-Goyl, der das Steinvolk zum Sieg bringen wird. Außerdem gibt sie den Steinwesen die Macht Menschen in Goyl zu verwandelt. So vermehrt sich das Volk rasend und die Menschen leben in Angst und Schrecken.

Nachdem Will seinem Bruder durch den Spiegel gefolgt ist, wird er von einem Goyl verletzt und beginnt sich in ein Steinwesen zu verwandeln. Hier setzt die Geschichte an. Jakob gibt sich die Schuld. Hätte er doch nur besser aufgepasst. Wieso konnte er seinen kleinen Bruder nicht beschützen? Er setzt alles daran, Will von dem Steinernen Fleisch zu befreien. Holt sich Rat bei Hexen und Zauberern, Gelehrten und folgt Gerüchten. Doch es hilft alles nicht. Will wird nach und nach zum Goyl. Und das Stein, was unter seinem Fleisch zu Vorschein kommt, ist Jade. Jakob holt Clara, Wills Freundin, aus anderen Welt nach. Er hat erfahren, dass ein Kuss, in wahrer Liebe gegeben, von diesem Fluch erlösen kann. Doch es kommt anders, als man denkt. Viele Verstrickungen und gewundene Wege müssen gemeistert werden, bis sie Will retten können. Doch haben sie ihn wirklich gerettet?
Im Zweiten und Dritten Band geht die Geschichte weiter. Es läuft nicht alles so, wie Jakob es geplant hatte. Irgendwie läuft es nie so, wie er es geplant hatte. Aber hier will ich nicht spoilern.


Bewertung:

Die Bücher sind ein Abenteuer in die Märchenwelt, auf das man sich auch als Erwachsener einlassen kann. Die Sprache ist flüssig und gut verständlich, kommt ohne Schachtelsätze und Fremdwörter aus. Eben eine Sprache für Jugendliche ab 13 Jahre. Deshalb liest sich die Geschichte für Erwachsene auch sehr leicht und man kommt schnell voran. Ich habe für ein Buch ca. 1,5 Tage gebraucht - zugegeben: ich habe auch den halben Tag mit Lesen verbracht. Es war ein schöner Zeitvertreib für mich.

Die Geschichte ist schön, spannend und detailreich. Man trifft viele Elemente aus den Märchen, erkennt Orte und Gestalten. Einhörner, Blaubärte, Feen, Labyrinthe. Es ist wirklich eine fantastische Welt, die Cornelia Funke damit geschaffen hat. Zuweilen läuft es recht blutig ab, aber wenn man sich die Kindermärchen mal wirklich genau anschaut, wird man feststellen, dass diese auch nicht weniger grausam sind. Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und individuell ausgearbeitet. Gerade Jakob, der immerzu hin und her gerissen ist und sich selbst eigentlich an allem die Schuld gibt. Aber auch die Goyl und deren Geschichte, ihre Anführer und besonders die Dunkle Fee, werden originell dargestellt und glaubwürdig interpretiert. 

Es hat mir wirklich Spaß gemacht die Bücher zu lesen, schon weil ich ohnehin ein Märchen- und Fantasy-Fan bin. Deshalb kann ich euch die Trilogie der Spiegelwelt sehr ans Herz legen.



Bild des Covers Band 1 von http://www.funke-reckless.de/buch-cd/band-i/. Bildrechte gehören dem Verlag.

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